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11. Dezember 2017

Medikamente „nach Bedarf“

Während viele ihre Medikamente zu fixen Zeiten einnehmen, ist es bei Diabetikern üblich, den Wirkstoff Insulin dann zuzuführen, wenn er erforderlich ist. Ein Schnelltest könnte die bedarfsgerechte Verabreichung auch für andere Medikamente ermöglichen

Die medizinische Diagnostik stellt heute eine grosse Anzahl von Analysetools bereit. So ist es ohne weiteres möglich, zum Beispiel im Zuge einer Obduktion zu bestimmen, welche Medikamente eine Person in den letzten Stunden und Tagen vor dem Ableben eingenommen hat. Für solche Tests sind in der Regel aufwändige Laboruntersuchungen unter Einsatz von Spezialgeräten erforderlich. „Wir möchten als Alternative zu solchen Laboranalysen einen ambulant einsetzbaren Schnelltest entwickeln, der auf einer kleinen Blutprobe beruht und ohne Einsatz von Analysegeräten funktioniert“, sagt Dr. Eva Ehrentreich-Förster vom Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Potsdam/Deutschland.

Nanotechnologie als Basis

Der neue Schnelltest soll so beschaffen sein, dass eine Patientin oder ein Patient damit die Konzentration mindestens eines Medikaments mit blossem Auge erkennen kann. Die Fraunhofer-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler wollen für den Test nicht herkömmliche Farbstoffe verwenden. Als Farbstoffe sollen vielmehr nanoskopische Strukturen fungieren, an die ein spezifisches Molekül gebunden ist, über das sich ein bestimmter Wirkstoff erkennen lässt. Wenn sich das Medikament an das Molekül bindet, leuchtet der Messpunkt des Schnelltests in seiner entsprechenden Farbe. Der neue Test soll über eine hohe Sensitivität verfügen, also schon geringste Mengen eines Wirkstoffs erkennen. „Wir möchten an den Punkt kommen, mit einem Teststreifen gleich mehrere Medikamente zu erkennen. Damit könnten wir ein ideales Instrument zu Verfügung stellen, mit dem Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen, auf einfache Weise den Medikamentenspiegel bestimmen könnten“, sagt Chemikerin Ehrentreich-Förster.

Wirkstoffkonzentration auf einfachem Weg bestimmen

Der neue Schnelltest könnte den Weg zu einer bedarfsgerechten Einnahme von Medikamenten ebnen. Heute ist es üblich, Medikamente in fixen Zeitintervallen einzunehmen, zum Beispiel im Abstand von jeweils acht Stunden. Das ist insofern nicht immer optimal, als die Wirkstoffkonzentration zum Beispiel durch Mahlzeiten beeinflusst werden kann. Auch verlaufen Aufnahme, Transport, Verteilung und Abbau von Medikamenten im Körper von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie Ehrentreich-Förster betont: „Mit unserem Schnelltest könnten Personen auf einfache Art ihren Medikamentenspiegel überprüfen. Das würde ihnen erlauben, ihre Medikamente bedarfsgerecht einzunehmen, also immer dann, wenn ein Wirkstoff im Körper so weit abgebaut wurde, dass neuer Wirkstoff zugeführt werden muss.“ Die Entwicklung des neuen Schnelltests wird nach Auskunft der Potsdamer Forscher noch mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen.

Ein neuer Schnelltest könnte die #Medikamenteneinnahme „nach Bedarf“ möglich machen. http://bit.ly/2Ask5dp #iph
Schnelltest_Medikamenteneinnahme
Ein Schnelltest soll in Zukunft die Konzentration von Medikamenten im Blut innerhalb kürzester Zeit detektieren können.
 

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