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19. Dezember 2017

Geschlechter-Gap bei Schlafverzicht

Eine Nacht ganz ohne Schlaf wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-schwedisches Forscherteam bei der Untersuchung eines Enzyms, das mit Stoffwechselkrankheiten in Verbindung steht.

Dem Enzym DPP-4 kommt im menschlichen Körper die Aufgabe zu, wichtige Darmhormone des Zuckerstoffwechsels zu regulieren. Wird der Stoff im Übermass gebildet, kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie einer Zunahme des Körperfettes, einer Fettleber oder einer Insulin-Unempfindlichkeit kommen. Eine in der Fachzeitschrift 'Diabetes Care' veröffentlichte Studie hat nun nachgewiesen, dass die Menge des vom Körper gebildeten Enzyms auch vom Schlafverhalten abhängig ist. Die Untersuchung wurde von der Universität Uppsala (Schweden) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam bei Berlin durchgeführt.

Unterschied zwischen Frau und Mann

An der jüngsten Studie haben sich 13 Frauen und 12 Männer im Alter von 18 bis 28 Jahre beteiligt. Bei ihnen wurde am Morgen der DPP-4-Spiegel im Blut bestimmt– dies einmal nach normaler Nachtruhe mit sieben und mehr Stunden Schlaf, einmal nach einer Nacht ganz ohne Schlaf. Dabei entdeckten die beteiligten Wissenschaftler einen signifikanten Geschlechterunterschied: Bei den Frauen nahm der DPP-4-Wert nach einer schlaflosen Nacht um 14 Prozent zu, bei den Männern hingegen um 11 Prozent ab. Das bedeutet: Bei Frauen führt Schlafverzicht zu einer Zunahme des potenziell schädlichen Enzyms, während Männer vom Schlafverzicht gesundheitlich sogar zu profitieren scheinen, da bei ihnen die Menge des Enzyms zurückgeht.

Weitere Forschung nötig

Ob schlaflose Nächte über DPP-4 tatsächlich mit einem gesundheitlichen Nutzen/Schaden einhergehen, können die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Zeit allerdings noch nicht sagen, wie Dr. Heike Vogel von der Abteilung Experimentelle Diabetologie des DIfE erläutert: „Ob die beobachteten Veränderungen des DPP-4-Wertes zu gesundheitlichen Auswirkungen führen, können wir aufgrund der verfügbaren Ergebnisse noch nicht zuverlässig ermitteln. Das müssen künftige Forschungsprojekte zeigen.“ An der Universität Uppsala ist bereits eine weiterführende Untersuchung angelaufen. Sie soll aufzeigen, wie der Wert von DPP-4 auf eine Verkürzung des Schlafs unterhalb des Normalwerts reagiert. Erforscht soll auch werden, wie sich Schichtarbeit auf die Menge des Enzyms auswirkt.

#Schlafmangel: Schlaflose Nächte betreffen Frauen und Männer unterschiedlich. http://bit.ly/2BIl21c #iph
Schlaf_Unterschied Mann Frau
 

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