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21. Dezember 2017

Autophagie und Multiple Sklerose

Ein zellulärer Zersetzungsprozess in Immunzellen steht offenbar in einem Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose. Das hat ein Forscherteam der Universität Zürich in einer neuen Untersuchung aufgezeigt.

Wenn im Zusammenhang mit Zellen von 'Autophagie' die Rede ist, wird dieses Fremdwort gewöhnlich mit dem Begriff 'Selbstverdauung' übersetzt. Das heisst nun aber nicht, dass sich die fraglichen Zellen selber zerstören. Vielmehr ist Autophagie ein wichtiger Vorgang für das Überleben einer Zelle, denn dabei werden bestimmte Bestandteile zerlegt – um anschliessend von der Zelle als Nährstoffe genutzt zu werden. Bei Untersuchungen im Tiermodell haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich nun gezeigt, dass zwischen Autophagie und Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) ein Zusammenhang besteht. Über ihre Erkenntnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift 'PNAS'.

Angriff auf die Myelinschicht

MS entsteht dadurch, dass die Myelinhülle der Nervenfasern durch körpereigene Immunzellen zerstört wird. Hervorgerufen werden diese Schäden von den T-Zellen des Immunsystems. Damit die T-Zellen das Myelin angreifen, müssen sie dafür quasi eine Lizenz von den dendritischen Zellen – ein anderer Typ von Immunzellen – bekommen. Und hier kommt nun die Autophagie ins Spiel, wie Prof. Dr. med. Jan D. Lünemann vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich erläutert: „Nur wenn die dendritischen Zellen die Fähigkeit zur Autophagie haben, können sie die T-Zellen 'anstiften', das Myelin der Nervenfasern anzugreifen und damit Entzündung im zentralen Nervensystem im Tiermodell der MS hervorzurufen.“ Diesen Zusammenhang konnten die Forscher in Versuchen mit Mäusen nachweisen, während sie den dendritischen Zellen die Fähigkeit zur Autophagie nahmen (indem sie das für die Autophagie essentielle Protein ATG5 gentechnisch 'ausschalteten').

Auf Menschen übertragbar?

Ob dieser Mechanismus auch für den Menschen gilt, lässt sich noch nicht sagen, wie Prof. Lünemann betont: „Das wissen wir bisher nicht, aber wir sind zur Zeit daran, es mit weiteren Forschungsarbeiten herauszufunden.“ Dafür wollen die Wissenschaftler Gewebeproben von MS-Betroffenen untersuchen. Hinzu kommen auch Blutuntersuchungen. „Mittel- und langfristig könnten aus diesen Arbeiten dann therapeutische Targets hervorgehen. Mit diesen könnten möglicherweise neue Wirkstoffe gegen MS entwickelt werden“, sagt Jan D. Lünemann.

Tiermodell zu #MS liefert Informationen zum Zersetzungsprozess in Immunzellen. http://bit.ly/2BQIMAb #iph
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