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6. Februar 2018

Lepra-Resistenzen eindämmen

Über 200'000 Personen stecken sich jedes Jahr mit der Infektionskrankheit Lepra an. Wegen Resistenzbildung verlieren die gutern medikamente teilweise ihre Wirksamkeit. Neue Forschungsresultate der ETH Lausanne lassen auf Verbesserungen hoffen.

Lepra wird durch Bakterien (Mycobacterium leprae, kurz: M. leprae) hervorgerufen. Der Erreger führt zu einer Schädigung von Nerven und zu einer Verstopfung der Blutgefässe. Beides kann zu schwerwiegenden Entzündungen und weiteren Erkrankungen führen. In der leichten Form (Paucibazilliäre Lepra) wird die Krankheit heute in erster Linie mit einer sechsmonatigen Therapie mit Rifampicin und Dapson behandelt; in der schweren Form kommt zudem Clofazimin zum Einsatz, und die Behandlung nimmt dann in der Regel zwölf Monate in Anspruch. Schlägt die Behandlung fehl bzw. treten Resistenzen oder Allergien auf, greifen Ärzte auf Wirkstoffe wie Ofloxacin, Minocyclin und Clarithromycin zurück. Gegen Lepra sind also wirksame Medikamente vorhanden. Deren Anwendung wird aber durch die relativ lange Behandlungsdauer und die das Auftreten von Resistenzen erschwert.

Genanalyse bei 154 Bakterienstämmen

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Stewart Cole (ETH Lausanne) hat nun in einem Forschungsprojekt neue Erkenntnisse gewonnen, die mittelfristig den Kampf gegen Lepra noch erfolgreicher machen könnten. Die Wissenschaftler haben das Erbgut von 154 Stämmen des Lepra-Erregers entschlüsselt. Dabei stiessen sie auf mehrere Gene, die für die Resistenzbildung mit verantwortlich sein könnten. Bei acht Bakterienstämmen entdeckten die Forscher sogar eine Vielzahl von zufälligen Genmutationen, die sich offenbar über einen Zeitraum von Jahren oder sogar Jahrzehnten angesammelt haben. Alle acht Stämme sind gegen die gängigen Kombinationstherapien resistent. Die Wissenschaftler hoffen nun, aus ihren Erkenntnissen neue Strategien zur Eindämmung von Resistenzbildungen ableiten zu können.

Bekannte Wirkstoffe für Lepra testen

Die jüngsten Resultate wurden in der Fachzeitschrift 'Nature Communications' veröffentlicht. Erstautor der Studie war Dr. Andrej Benjak, Postdoc im Forscherteam von Stewart Cole. „Weil M. leprae nicht im Labor kultiviert werden kann, ist es zur Zeit praktisch unmöglich, neue Wirkstoffe gegen Lepra zu entwickeln“, sagt Benjak. „Vielversprechender ist es, bekannte Wirkstoffe für den Einsatz gegen Lepra zu testen. Dazu gehören auch neue Wirkstoffe, die erfolgreich gegen verwandte Erreger wie M. tuberculosis oder andere Mycobacterien eingesetzt werden.“ Nach Auskunft von Andrej Benjak sind weitere Anstrengungen nötig, um Lepra weiter zurückzudrängen. Dazu gehören neue Werkzeuge für eine möglichst frühe Diagnose, um den Erreger noch vor dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome zu erkennen. Wichtig wäre zudem, Therapien mit kürzerer Behandlungsdauer zu etablieren, um die Therapietreue besonderes in armen Weltregionen zu erhöhen, so Benjak.

Ein Forscherteam unter Leitung der ETH Lausanne hat das Erbgut von über Hundert #Lepra-Erregern sequenziert. http://bit.ly/2nQ0CKK #iph
Dr. Andrej Benjak, Postdoc an der ETH Lausanne
Dr. Andrej Benjak, Postdoc an der ETH Lausanne
 

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