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8. Februar 2018

Schlaf als Spiegel der Psyche

Schlafstörungen und psychiatrische Erkrankungen stehen in einem engen wechselseitigen Verhältnis. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben diese gegenseitige Beeinflussung in einer neuen Studie untersucht.

Schlafstörungen sind oft die Folge von psychiatrischen Erkrankungen wie Depression, Angst und bipolaren Störungen. Schlafstörungen können zugleich aber auch die Entstehung von psychiatrischen Störungen begünstigen. So erstaunt es nicht, dass bei vielen Patientinnen und Patienten Störungen der Psyche und des Schlafes gleichzeitig diagnostiziert werden. Wie die beiden Phänomene genau zusammenhängen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München in einer neuen Studie untersucht. Die Publikation ist in der Fachzeitschrift 'The Journal of Neuroscience' erschienen.

Schlafstörungen bei Mäusen

In der Studie untersuchte die Arbeitsgruppe des Neurowissenschaftlers Dr. Jan Deussing den sogenannten P2X7-Rezeptor, der sich auf der Oberfläche unter anderem von menschlichen Nervenzellen befindet und am Informationsaustausch der Zellen mit ihrer Umgebung beteiligt ist. Die Forscher befassten sich mit einer Form des Rezeptors, die durch eine bestimmte Genvariante charakterisiert wird und von der man annimmt, dass sie mit Depression und Angst in Verbindung steht. Die Forscher veränderten Mäuse gentechnisch, indem sie eine Kopie des Mausgens gegen diese Genvariante des Menschen austauschten. Diese Manipulation zog bei den Tieren tatsächlich Schlafstörungen nach sich und führte zugleich zu einer grösseren Stressempfindlichkeit, wie die Wissenschaftler feststellten.

Rezeptoraktivität wiederherstellen

Die Münchner Forscher haben die fragliche Rezeptor-Variante auch bei Menschen untersucht. Sie konnten dabei zeigen, dass Menschen, die neben dem 'normalen' Rezeptor auch die oben beschriebene Rezeptor-Variante in sich tragen, leichte Veränderungen in ihren Schlafmustern aufweisen. „Veränderungen und Störungen im Schlafmuster sind häufige Vorboten einer psychiatrischen Erkrankung“, sagt Dr. Jan Deussing, „somit könnte die genetische Variante des beschriebenen P2X7-Rezeptors ein Hinweis für ein erhöhtes Krankheitsrisiko sein. Da diese Variante eine verminderte Rezeptoraktivität zur Folge hat, könnte die Entwicklung von Substanzen oder Verfahren, die die Rezeptoraktivität wiederherstellen, ein sinnvoller Ansatz zur Entwicklung neuer Medikamente sein.“

#Schlafstörungen und psychiatrische Erkrankungen stehen in einer Wechselwirkung. http://bit.ly/2C4gdvh #iph
Dr. Jan Deussing
Der Neurowissenschaftler Dr. Jan Deussing.
 

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