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5. März 2018

Mehrere Labors, weniger Versuchstiere

Die medizinische Forschung ist gehalten, die Zahl der Versuchstiere möglichst gering zu halten. Ein Beitrag zur Umsetzung dieses Ziels sind Multilaborstudien. Das zeigen Forscher der Universitäten Bern und Edinburgh in einer neuen Untersuchung.

Studien mit Tierversuchen können als Einzellaborstudien oder als Multilaborstudien durchgeführt werden. Im ersten Fall ist an der Studie ein einzelnes Labor beteiligt, im zweiten Fall sind es zwei, drei oder mehr Labors. Werden in einem Versuch zum Beispiel 24 behandelte Versuchstiere mit 24 Kontrolltieren verglichen, steuert bei einer Vier-Labor-Studie jedes Labor je sechs behandelte Versuchstiere und sechs Kontrolltiere bei. Man könnte denken, es mache keinen Unterschied, ob die Versuche mit den Tieren in einem Labor stattfinden oder auf mehrere Labors verteilt werden. Doch dem ist nicht so: Eine im Fachmagazin 'PLOS Biology' veröffentlichte Untersuchung der Universitäten Bern und Edinburgh zeigt, dass Multilaborstudien bei gleicher Zahl von Versuchstieren eine höhere Aussagekraft haben – und die Zahl der Versuchstiere zu vermindern helfen.

Übermässige Standardisierung

Das Problem liegt darin, dass Einlaborversuche in der Regel unter sehr standardisierten Bedingungen stattfinden. Gemeint ist damit zum einen die genetische Standardisierung, also die Verwendung von genetisch möglichst identischen Tieren, z.B. Inzuchtmäuse statt Auszuchtmäuse. Zum anderen geht es um Umweltstandardisierung, dass also alle Tiere unter genau gleichen Bedingungen gehalten werden, das gleiche Futter erhalten und genau gleich behandelt werden. „Ziel der Standardisierung sind kontrollierte Bedingungen und möglichst geringe Variation in den Versuchsergebnissen, um mit einer minimalen Anzahl von Tieren möglichst eindeutige Rückschluss auf den Effekt der Versuchsbehandlung zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. Hanno Würbel, Leiter der Abteilung Tierschutz an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. „Das Problem bei übermässiger Standardisierung besteht allerdings darin, dass die Aussagekraft der Ergebnisse mit zunehmender Standardisierung abnimmt. Möglicherweise gelten die gefundenen Ergebnisse nur unter den spezifischen standardisierten Bedingungen, jedoch nicht unter anderen Bedingungen (z.B. bei Verwendung einer anderen Mäuselinie, anderen Haltungsbedingungen, anderem Futter etc).“

Höhere Aussagekraft

Bessere Ergebnisse als Einzellaborstudien würden Multilaborstudien ergeben, sagt Hanno Würbel. Da sich die Bedingungen zwischen verschiedenen Labors unterscheiden, werde automatisch eine höhere Aussagekraft erzielt. Der Berner Tierschutzexperte zieht einen anschaulichen Vergleich: „Eine Einzellaborstudie ist vergleichbar mit einer klinischen Studie, bei der ausschliesslich 18-jährige Brüder aus dem gleichen Heim untersucht werden, während eine Multilaborstudie eher einer richtigen klinischen Studie gleicht, bei der eine repräsentative Stichprobe unterschiedlicher Personen (Geschlecht, Alter, Herkunft etc.) untersucht wird.“ Da Multilaborstudien die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse erhöhen, seien sie geeignet, die Zahl der Versuchstiere weiter zu reduzieren, betonen die Autoren der schweizerisch-britischen Untersuchung.

Untersuchungen mit Versuchstieren sind aussagekräftiger, wenn sie auf mehrere Labors verteilt werden. http://bit.ly/2teDlYP #iph
Multilaborstudien_Mäuse
 

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