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7. März 2018

Therapie für Augenhornhaut

Wenn Mikroben die Hornhaut des Auges befallen, kann es zu schweren Infektionen kommen, die sich nur schwer behandeln lassen und im Extremfall zu Erblindung führen. Deutsche Forscher verfolgen nun einen neuen Ansatz zur Therapie von Entzündungen.

Bakterien, Pilze, Hefen, Viren oder Akanthamöben können eine Hornhautentzündung (mikrobielle Keratitis) hervorrufen. Augenärzte bekämpfen die ursächlichen Verunreinigungen mit Antibiotika, kombiniert mit Desinfektionsmitteln. Allerdings tritt der gewünschte Behandlungserfolg nicht immer ein, zudem können unliebsame Nebenwirkungen auftreten. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) im deutschen Potsdam sind nun einem neuen Therapieansatz auf der Spur. Die Grundidee: Um Infekte wirksam und schonend zu behandeln, werden Kontaktlinsen mit einer keimabtötenden Lösung versehen. Über die Forschungsarbeiten hat die Fraunhofer-Gesellschaft dieser Tage in einer Medienmitteilung berichtet.

Schützendes Plasma

Weiche Kontaktlinsen sind das weitaus wichtigste Übertragungsmedium, wenn es zu einer Ansteckung mit Akanthamöben kommt. Grund für die Infektion ist mangelnde Hygiene, dass die Kontaktlinsen also nicht oft genug mit Reinigungsmitteln desinfiziert werden. Die Fraunhofer-Forscher arbeiten nun an einer neuen Methode, welche Infektionen durch therapeutische Kontaktlinsen bekämpfen soll, wie IAP-Wissenschaftler Dr. Joachim Storsberg erläutert: „Wir wollen die Kontaktlinsen mit einer keimreduzierenden Lösung versehen. Dazu bringen wir Plasmaentladung über eine Flüssigkeit, so dass die reaktiven Komponenten, die durch das Plasma erzeugt werden, in die Flüssigkeit diffundieren. Die resultierende Flüssigkeit wird dann von den Kontaktlinsen aufgesaugt“, sagt der Experte für Biomaterialien.

Erfolgreich bei Hautkrankheiten

Physiker verstehen unter einem Plasma ein Gemisch aus elektrisch geladenen Teilchen (Ionen und Elektronen) und Radikalen. Plasmen werden seit einigen Jahren zur Behandlung von Dermatosen (Hautkrankheiten) eingesetzt. Gemeinsam mit dem Augenarzt Prof. Dr. Saadettin Sel (Universität Heidelberg) hat Fraunhofer-Forscher Storsberg die Idee für keimabweisende Kontaktlinsen entwickelt. Die Kontaktlinsen sollen bei Personen zum Einsatz kommen, die sich bereits mit Mikroben angesteckt haben. „Die bisherigen Tests mit der Augenhornhaut von Spendern sind erfolgreich verlaufen“, sagt Joachim Storsberg. „Im nächsten Schritt wollen wir das neue Verfahren nun in Versuchen mit Kaninchen überprüfen. Wird unser Konzept dabei bestätigt, werden anschliessend klinische Untersuchungen mit Keratitis-Patientinnen und -Patienten Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens beweisen müssen.“

Deutscher Fraunhofer-Forscher arbeitet an neuem Konzept zur Behandlung von Entzündungen der #Augenhornhaut. http://bit.ly/2oOLP43 #iph
Keimabtötende Kontaktlinsen
Keimabtötende Kontaktlinsen könnten in Zukunft eine Infektion mit Akanthamöben bekämpfen.
 

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