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8. März 2018

Infektionen von Brandwunden vermeiden

Nach Verbrennungen kann es bei Patientinnen und Patienten zu schweren Infektionen oder einer Blutvergiftung kommen. Forscher der Universität Genf haben nun die Stoffwechselprozesse der beteiligten Bakterien minutiös beschrieben.

Wenn es bei Verbrennungsopfern zu Wundinfektionen oder einer Blutvergiftung kommt, liegt die Ursache in alles Regel bei einem Bakterium mit dem Namen Pseudomonas aeruginosa, das für ein ganzes Spektrum akuter und chronischer Infektionen verantwortlich ist. Wissenschaftler der Universität Genf haben nun zusammen mit Kollegen des Waadtländer und des Berner Universitätsspitals herausgefunden, wie es diesem Keim gelingt, sich im Wundsekret auszubreiten und welche Stoffwechselprozesse dabei eine Rolle spielen. „In dieser speziellen Umgebung ist P. aeruginosa in der Lage, sich zu verbreiten, und dank unserer Untersuchung haben wir herausgefunden warum“, sagt Dr. Karl Perron, Direktor des bakteriologischen Labors der Universität Genf. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler vor kurzem in der Fachzeitschrift 'Frontiers in Cellular and Infection Microbiology' veröffentlicht.

Antibiotika einschmuggeln

Die Forscher haben unter anderem 6000 Gene von Pseudomonas aeruginosa untersucht. Sie konnten dabei unter anderem nachvollziehen, wie das Bakterium aus dem Wundsekret Eisen extrahiert – das ist der Stoff, der für Wachstum und Verbreitung des Keims eine zentrale Voraussetzung schafft. „Die Studie hat uns erlaubt, die verschiedenen Strategien von P. aeruginosa zu verstehen, um in Wundsekreten zu wachsen“, sagt der Genfer Mikrobiologe. „All diese Strategien bieten nun mögliche Targets (Zielmoleküle), um die Verbreitung von P. aeruginosa mit neuen medizinischen Wirkstoffen zu blockieren. Eine dieser Strategien ist die Nutzung von Siderophoren. Das sind Moleküle, die das Bakterium zur Aufnahme von flüssigem Eisen braucht. Wir wollen existierende Siderophore-Antibiotika-Verbindungen nutzen und testen, ob sich die Bakterien in den Wundsekreten über eine Trojanisches-Pferd-Strategie vernichten lassen.“

Künstliches Wundsekret

Die Forschung zur Bekämpfung von Wundinfektionen ist auch darauf ausgerichtet, Tierversuche wo immer möglich zu vermeiden. Früher mussten Tieren Brandwunden beigefügt werden, um die mikrobiologischen Prozesse im Wundsekret untersuchen zu können. Die Forscher um Karl Perron sind hier einen neuen Weg gegangen, wie dieser ausführt: „Wir haben ein künstliches Medium geschaffen, das das Sekret der Brandwunden imitiert. Unterdessen haben wir alle chemischen Informationen und die physiologischen Daten von P. aeruginosa, um dieses Projekt abschliessen zu können. Das Medium wird es der ganzen Wissenschaftlergemeinschaft ermöglichen, Experimente zu Verbrennungsinfektionen durchzuführen, ohne Tiere einer Verbrennung auszusetzen zu müssen.“

Wissenschaftler aus Genf, Lausanne und Bern suchen neue Wege, um die Infektion von #Brandwunden zu verhindern. http://bit.ly/2oVIFLO #iph
Für seine Bemühungen zur Vermeidung von Tierversuchen durfte Karl Perron im letzten Jahr den '3R-Preis' der Universität Genf entgegen nehmen (aus den Händen von Jérôme Lacour, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät
Für seine Bemühungen zur Vermeidung von Tierversuchen durfte Karl Perron im letzten Jahr den '3R-Preis' der Universität Genf entgegen nehmen (aus den Händen von Jérôme Lacour, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät).
 

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