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14. März 2018

Prognose für das Rückenmark

Verletzungen des Rückenmarks lassen sich nicht heilen, aber eine gewisse Erholung kann durch Rehabilitation gefördert werden. Forscher der Uni Zürich haben ein bildgebendes Verfahren entwickelt, mit dem sich der Erholungsprozess abschätzen lässt.

Menschliche Haare und Nägel wachsen grundsätzlich während des ganzes Lebens eines Menschen nach, und auch Blut- oder Darmzellen haben eine sehr grosse Fähigkeit zur Erneuerung. Anders ist es bei Nervenzellen: Zwar werden auch Nervenzellen kontinuierlich während des Lebens gebildet, z.B. im Hippocampus, jedoch sind verletzte Nervenzellen nicht in der Lage, sich zu erneuern. Eine Verletzung des Rückenmarks ist deshalb irreversibel, und nicht nur das: Eine Verletzung des Rückenmarks führt im Verlauf der Zeit sogar zu einem weiteren Abbau von Nervengewebe im Rückenmark und mitunter auch im Gehirn. Im Verlauf der Zeit vermindert sich dieser Abbau; ein gewisser Erholungsprozess ist zu beobachten. Dieser Erholungsprozess ist am stärksten während der ersten sechs Monate nach dem Unfall, danach verlangsamt sich die Erholung.

15 Patienten untersucht

Ein internationales Forscherteam um PD Dr. rer. nat. et Dr. med. Patrick Freund vom Spinal Cord Injury Center Balgrist an der Universität Zürich konnte nun mit Magnetresonanztomografie beobachten, wie sich Nervengewebe im Verlauf der Zeit abbaut. Den Ärzten und Wissenchaftlern gelang dabei auch, den Verlauf einer Rückenmarkverletzung vorauszusagen: Sie konnten zeigen, wie sich Patienten in den ersten zwei Jahren nach der Verletzung erholen. Voraussetzung für eine solche Prognose war, dass die Forscher Ausmass und Entwicklung des Nervenverlustes sechs Monate nach der Rückenmarkverletzung kannten. Je geringer die Ausgangsverletzung, desto günstiger die langfristige Entwicklung, so der Hauptbefund der Studie, die in der Fachzeitschrift 'Neurology' veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung hatten die Forscher 15 Patientinnen und Patienten mit einer akuten traumatischen Rückenmarksverletzung nach 2, 6, 12 und 24 Monaten untersucht und die Ergebnisse mit jenen von 18 Personen ohne Verletzung verglichen.

Nutzen in klinischer Studie

Eine Fortsetzung der Untersuchung ist bereits geplant: Nach fünf Jahren sollen bei denselben Patienten abermals die neurodegenerativen Veränderungen untersucht werden, die bis dahin eingetreten sein werden. Geplant sind ferner Studien, die darlegen sollen, ob sich mit einem Training von Arm- und Beinfunktionen der Verlust von Nervengewebe bremsen oder aufhalten lässt. Das Bildgebungsverfahren zur Darstellung von neurodegenerativen Veränderungen hat noch einen weiteren Nutzen, wie PD Dr. Patrick Freund betont: „Das verwendete Bildgebungsverfahren gibt uns eine Methode an die Hand, um auf nichtinvasivem Weg die Veränderung von Nervengewebe zu beobachten. Dies wird in einer geplanten klinischen Studie erstmals zum Einsatz kommen. In dieser klinischen Studie wird der neutralisierende Effekt eines Antikörpers gegen ein wachstumshemmendes Protein 'Nogo-A' nach akuter Rückenmarksverletzung geprüft.“

Dank #Bildgebung lässt sich die Entwicklung von #Rückenmarkverletzungen gut voraussagen. http://bit.ly/2tMHFyr #iph
Rückenmarkverletzung
Nach einer Rückenmarkverletzung kommt es zur Neurodegeneration, auch im Gehirn.
 

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