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19. März 2018

Asbestfasern verursachen Krebs

Asbest ruft chronische Entzündungen hervor, die zu Krebs-Tumoren führen können. Ein von Schweizer Forscherinnen und Forschern dominiertes Team konnte nun zeigen, welche Mechanismen für diese seit langem bekannte Gesundheitsgefahr verantwortlich sind.

Asbest besteht aus Fasern, die nur wenige Tausendstelmillimeter lang sind. Asbestfasern gelangen über die Atemwege in die Lunge und von dort über das Blut ins Mesothelgewebe, das alle inneren Organe umgibt. In dem Gewebe bleiben die Fasern hängen und verursachen chronische Gewebeentzündungen, die zu Krebs führen können. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die einen Einblick in die Entstehung Asbest-bedinger Erkrankungen gewähren. An der Untersuchung haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsspitäler Zürich, Genf und Toronto (Kanada), aber auch der Universität Freiburg und der ETH Zürich beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin 'Oncogene' publiziert.

Von der Maus zum Menschen

Die Wissenschaftler wollten genauer wissen, wie Organismen auf den Einfluss von Asbestfasern reagieren. Zu diesem Zweck injizierten sie solche Fasern in die Bauchhöhle von Mäusen, wo sich ebenfalls ein Mesothel befindet. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Asbest bei den Tieren Mikroverletzungen hervorrufen, die wiederum eine Reaktion des Immunsystems auslösen: Im entzündeten Mesothel-Gewebe werden Signalstoffe für die Wundheilung aktiviert. Die Signalstoffe wirken aber noch in einer zweiten, überaus gefährlichen Art: Sie regen eine Zellteilung an und fördern damit die Bildung von Tumoren. Diese Tumoren können durch das Immunsystem nicht mehr im Schach gehalten werden. Die Folge ist Krebs, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Publikation schreiben.

Kampf gegen das Mesotheliom

Entsprechende Untersuchungen lassen vermuten, dass die im Tierversuch dargestellten Mechanismen auch beim Menschen gelten dürften. Studienleiterin PD Dr. Emanuela Felley-Bosco (Labor für Molekulare Onkologie, Universitätsspital Zürich) sieht verschiedene Ansätze, wie die Forschungsergebnisse für künftige medizinische Anwendungen nutzbar gemacht werden könnten: „Oft wird ein Asbest-bedingter Tumor (Mesotheliom) erst diagnostiziert, wenn die Krankheit bereits in einem fortgeschrittenen Stadium ist. Eine potenzielle Anwendung unserer Erkenntnisse wären Verfahren für eine frühere Diagnose“, sagt Felley-Bosco. „Zudem geben unsere Resultate auch Hinweise für neue Therapien, die Mesotheliome über eine Immuntherapie zu bekämpfen suchen.“ Eine klinische Studie zur Immuntherapie im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit wird zurzeit an fünf Schweizer und zehn weiteren Spitälern in Grossbritannien und Spanien durchgeführt.

Ein Forscherteam mit starker Schweizer Beteiligung zeigt, wie #Asbestfasern zu #Krebs führen. http://bit.ly/2DBTV4I #iph
Asbestfasern in einer Maus, die noch keinen Tumor ausgebildet hat: Die nadelförmige Struktur in Grau-Weiss (Pfeil) ist umgeben von weissen Blutzellen des Immunsystem (Lymphozyten und Histozyten).
Asbestfasern in einer Maus, die noch keinen Tumor ausgebildet hat: Die nadelförmige Struktur in Grau-Weiss (Pfeil) ist umgeben von weissen Blutzellen des Immunsystem (Lymphozyten und Histozyten).
 

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