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13. April 2018

Impfstoffe helfen Pferd und Hund

Ein Forscherteam unter der Leitung der Universität Bern hat Impfstoffe entwickelt, die chronische allergische Erkrankungen von Pferden und Hunden heilt. Die Erkenntnisse dürften indirekt auch bei der Suche nach neuen Impfstoffen für Menschen helfen.

Bei allergischen Erkrankungen denkt man unweigerlich an geplagte Kinder und Erwachsene. Doch an Allergien, auch chronischer Art, leiden ebenfalls Tiere. Die häufigste Form bei Pferden sind allergische Hautreaktionen nach Insektenstichen (Sommerekzem). Die Häufigkeit hängt von der Verbreitung der Culicoides-Insekten ab; in der Schweiz und Deutschland sind ca. 30-40% der Pferde betroffen, im australischen Bundesstaat Queensland sogar 60%. Bei Hunden wiederum ist die häufigste Hauterkrankung die atopische Dermatitis. Die Verbreitung liegt bei 10-20% aller Tiere.

Nanopartikel als Grundlage

Ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Martin F. Bachmann (Universitätsspital Bern) hat nun mit Partnern im In- und Ausland zwei therapeutische Impfstoffe entwickelt, die den betroffenen Tieren helfen. Die Vakzine sind aus einer neuen Technologie-Plattform hervorgegangen, die auf virusähnlichen Nanopartikeln basiert. Diese Nanopartikel – also Partikel in der Grössenordnung von Millionstelmillimetern – haben die Fähigkeit, die Immunreaktion der betroffenen Tiere zu verstärken. Die zweite Komponente der Impfstoffe sind Proteine, die jeweils eine bedeutende Rolle bei der betreffenden Allergie spielen: IL-5 beim Sommerekzem der Pferde bzw. IL-31 bei der atopischen Dermatitis der Hunde. Nach Auskunft der Wissenschaftler sind die Impfstoffe optimiert, um auch in älteren und immungeschwächten Tieren zu wirken. Über das klinische Potenzial in der Veterinärmedizin berichteten die Forscher jüngst im 'Journal of Allergy and Clinical Immunology'. An den Studien hatten unter anderem 34 erkrankte Islandpferde teilgenommen. 19 von ihnen wurden geimpft, 15 erhielten ein Scheinpräparat.

Weitere Impfstoffe in Vorbereitung

Den aussenstehenden Beobachter mag es verwundern, dass diese Impfstoffe zuerst für Tiere entwickelt wurden und nicht für Menschen. Dazu die Erklärung von Martin F. Bachmann, Professor an der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie des Berner Inselspitals: „Impfstoffe sind viel einfacher für das Tier als für den Menschen zu entwickeln. Aber wir haben natürlich auch ein grosses Interesse an Impfstoffen für den Einsatz beim Menschen basierend auf dem gleichen Prinzip. Ein Vakzin gegen Schuppenflechte/Psoriasis (basierend auf einer Impfung gegen IL-17) und ein Vakzin gegen Asthma (basierend auf einer Impfung gegen IL-5) sind für die klinische Entwicklung bereit.“ Die Erfahrungen mit der Entwicklung veterinärmedizinischer Impfstoffe könnten auch künftig gute Dienste leisten, betont Bachmann: „Wir brauchen die gleiche Technologie-Plattform, um Impfstoffe gegen Alzheimer und Juckreiz beim Menschen zu entwickeln.“

Neue #Impfstoffe für Pferde und Hunde könnten auch die Impfstoffentwicklung beim Menschen voranbringen. http://bit.ly/2GTEC9X #iph
Allergie_Pferd
Sommerekzem am Kopf eines Pferdes.  
 

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