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20. April 2018

Wie Östrogene schützen

Östrogene schützen vor der Entstehung einer Typ-2-Diabetes. Diesen bekannten Effekt hat ein Genfer Forscherteam durch neue Erkenntnisse untermauert und dabei ein vertieftes Verständnis der Stoffwechselvorgänge zum weibliche Sexualhormon gewonnen.

Östrogene spielen eine zentrale Rolle bei der Steuerung des weiblichen Zyklus. Im Zuge der Menopause geht die Produktion der Hormone stark zurück. Ein Teil der Frauen im entsprechenden Lebensabschnitt entscheidet sich deshalb für eine Hormonersatztherapie. Diese Therapie hat den Effekt, dass sie das Risiko einer Erkrankung an Typ-2-Diabetes um bis zu 35% senkt. Aus dieser Zahl wird ersichtlich, in welchem Ausmass Östrogene vor einer Typ-2-Diabetes schützen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Genf und des Genfer Universitätsspitals unter der Leitung von Prof. Jacques Philippe haben diesen Effekt nun durch neue Forschungsergebnisse untermauert. In ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift 'JCI Insight' veröffentlicht wurde, zeichnen die Erstautorin Dr. Sandra Handgraaf und ihre Co-Autoren detailliert nach, wie diese Schutzwirkung zustande kommt.

Glucagon und GLP1 im Fokus

Dass Östrogene vor einer Typ-2-Diabetes schützen, wurde bisher hauptsächlich darauf zurückgeführt, dass diese Hormone die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zur Insulinproduktion anregen, was den Blutzucker und damit das Diabetes-Risiko reduziert. Das Genfer Forscherteam hat sein Augenmerk nun auf zwei weitere Hormone gerichtet, die wie Insulin an der Regulierung des Blutzuckerspiegels mitwirken und ebenfalls durch Östrogene beeinflusst werden: Glucagon und GLP1. Mit entsprechenden Versuchen an Mäusen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Einzelnen belegen, wie Östrogen diese von den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse und den L-Zellen im Darm hergestellten Hormone beeinflussen, wie diese beiden Hormone den Blutzuckerspiegel in Schach halten und damit das Risiko von Typ-2-Diabetes analog zu Insulin senken.

Bestätigung für Hormonersatztherapien

Die Ergebnisse aus dem Mausmodell konnten bei Versuchen an Kulturen mit menschlichen Zellen bestätigt werden. „Insbesondere die Rolle von GLP1 zur Senkung des Diabetesrisikos war in dieser Form bisher nicht bekannt“, sagt Dr. Handgraaf. Handgraaf und ihre Co-Autoren verstehen die Studie als Bestätigung, dass Hormonersatztherapien bei Frauen nach der Menopause sinnvoll sind, weil sie der verminderten Östrogenproduktion entgegenwirken. Nicht überall werden diese Therapien allerdings positiv gesehen. Kritiker bemängeln, die Therapien erhöhten das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko sei nicht gegeben, wenn die Ersatztherapie ab Beginn der Menopause und nur für wenige Jahre durchgeführt werde, sagt Diabetes-Experte Prof. Jacques Philippe.

Genfer Forscherinnen und Forscher zeigen, warum #Östrogene vor #Typ-2-Diabetes schützen. http://bit.ly/2J9e1X1 #iph
Dr. Sandra Handgraaf ist Erstautorin der neuen Studie über den Einfluss von Östrogen auf das Diabetes-Risiko
Dr. Sandra Handgraaf ist Erstautorin der neuen Studie über den Einfluss von Östrogen auf das Diabetes-Risiko
 

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