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Die Diagnose Krebs ist für Kinder belastend und löst bei Eltern Bestürzung aus. Wie häufig sind Krebserkrankungen bei Kindern?
Krebs bei Kindern ist zum Glück selten; etwa 220 Fälle von Kinderkrebs werden pro Jahr in der Schweiz registriert. Am häufigsten treten im Kindesalter Leukämien auf - sog. Blutkrebs (ein Drittel aller Krebsfälle im Kindesalter).
Hat sich auf dem Gebiet der Krebserkrankungen bei Kindern in den letzten Jahren etwas verändert?
Im Vergleich zu früher sind die Heilungschancen ernorm gestiegen. Die grossen Erfolge sind auf den Einsatz von Chemotherapien in den 70er und 80er Jahren zurückzuführen. Doch seither haben sich die Behandlungserfolge weiter verbessert. Die bereits guten Heilungsraten von 80 bis 90 Prozent beim Blutkrebs konnten in den letzten Jahren sogar noch erhöht werden - eine schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Heilungsrate bereits sehr hoch war.
Worauf ist dies zurückzuführen?
Mehrheitlich wird die konventionelle Chemotherapie eingesetzt, meist ein «Cocktail» an verschiedenen Substanzen. Doch heute kann man die Behandlung viel feiner abstimmen. Dies ist möglich, weil wir neue Erkenntnisse bei den biologischen Faktoren, die bei der Erkrankung eine Rolle spielen, gewonnen haben. Wir können zum Beispiel aufgrund von Untersuchungen an Blutzellen besser voraussagen, auf welche Therapie der Blutkrebs reagieren wird. Damit bekommt das Kind von Beginn an eine Behandlung, die «seinen Krebs» bekämpfen kann.
Was haben die neuen Behandlungsmöglichkeiten den Kindern konkret gebracht?
Die bisher erzielten Verbesserungen haben dazu geführt, dass drei Viertel aller Krebserkrankungen bei Kindern geheilt werden können. Bei akuten lymphatischen Leukämien beträgt die Heilungsrate hohe 90 Prozent. Noch vor 30 bis 40 Jahren führten sie bei der überwiegenden Zahl von Betroffenen zum Tode innerhalb weniger Wochen. Bei anderen Tumorarten liegen die Heilungschancen aber tiefer, wie z.B. bei ausgedehnten bösartigen Gewebeneubildungen am autonomen Nervensystem (Neuroblastomen). Dank der eingesetzten Substanzen ist es zudem möglich mehr ambulant zu behandeln. Die Kinder müssen also nicht mehr wochenlang im Spital bleiben. Sie kommen zwar häufig, können aber immer wieder nach Hause oder sogar in die Schule. Früher wäre dies undenkbar gewesen. Tendenziell vertragen Kinder die Chemotherapie besser als Erwachsene und die Tumoren sind auch empfindlicher. Kinder vergessen Nebenwirkungen schneller und erholen sich im Intervall zwischen den Behandlungen besser. Psychisch sind sie befreiter und ablenkbar. Aber natürlich spielt es auch eine Rolle, wie die Eltern damit umgehen.
