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Ende September machte eine kleine Meldung die Runde: In einer konzertierten Aktion, die von Interpol koordiniert wurde, hatten Polizeibehörden von 81 Ländern, darunter der Schweiz, 13'500 Websites geschlossen, auf denen illegale Medikamenten vertrieben wurden. 2,4 Millionen Medikamente wurden beschlagnahmt, gegen Dutzende von Zwischenhändlern sind Verfahren im Gang.
Lukratives Geschäft
Solche Aktionen kommen dem Kampf gegen eine Hydra gleich. Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Das Geschäft mit illegalen Medikamenten, in aller Regel Fälschungen, ist lukrativ. Der jährliche Umsatz wird auf zig Milliarden Franken geschätzt. Mit gefälschten Medikamenten lässt sich mehr Geld verdienen als im Drogenhandel. Folge: der Handel mit gefälschten Medikamenten nimmt rasant zu. Die Fälschungen werden immer raffinierter und können oft erst im Labor nachgewiesen werden.
Das Problem ist längst nicht mehr auf Entwicklungsländer beschränkt. Aufgrund der jüngsten Kontrollaktion, an der sich in der Schweiz die Heilmittelbehörde Swissmedic und der Zoll beteiligten, wurde hoch gerechnet, dass jährlich mindestens 50 000 illegale Arzneimittelsendungen per Post von Privatpersonen in die Schweiz eingeführt werden. Es fehlt am Bewusstsein, dass man hier mit dem Feuer spielt. Es gibt viele Schweizerinnen und Schweizer, die nach dem Urlaub mit einer auf dem Strassenmarkt in Florenz oder am Strand in Thailand gekauften Luxustasche oder -uhr zurückkommen. Dies ist auch illegal und ich habe Verständnis für die Uhrenhersteller, die sich weigern Reparaturen durchzuführen, wenn eine Uhr nicht in einem lizenzierten Geschäft gekauft worden ist. Bei gefälschten Luxusuhren, Taschen oder Kleidern entsteht ein wirtschaftlicher Schaden für die Unternehmen oder beim Kunden.
Gesundheit steht auf dem Spiel
Anders bei Medikamenten: Wer Medikamente über unsichere Quellen im Internet bezieht, spielt russisch Roulette. Auf dem Spiel steht die Gesundheit – im schlimmsten Fall das Leben. In vielen Fällen enthalten die vermeintlichen Medikamente bloss Backstein oder Mehl, oder aber Giftstoffe wie Insektizide und Rattengift. Dabei geht es längst nicht mehr nur um gefälschte Medikamente wie Viagra. Gefälscht werden auch Antibabypillen, blutdrucksenkende Medikamente und sogar lebensrettende Medikamente gegen Krebs. Die massive Zunahmen der Beschlagnahmungen sind wohl nur die Spitze des Eisbergs. Im Gegensatz zur EU, wo Fälschungen auch schon im regulären Handel aufgetaucht sind, ist das Problem in der Schweiz bis anhin auf den illegalen Online-Import beschränkt. Wer bei uns Medikamente über die kontrollierten Betriebskanäle bezieht, weiss, dass darin auch das Medikament des Herstellers ist, der auf der Packung steht. Weil das Bewusstsein über die Gefahren im Online-Handel aber oft fehlt, lancieren Swissmedic, der Verband der Schweizer Apotheker und die Pharmaindustrie eine Aktionswoche, in der auf die Gefahr der gefälschten Medikamente hingewiesen wird.
