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Als Mukherjees 700 Seiten starke Geschichte der Krebserkrankung 2010 in den USA auf den Markt kam, eroberte sie schnell die Bestsellerlisten und bescherte dem Autor 2011 auch gleich den renommierten Pulitzer-Preis. Gestern erschien das Werk nun in deutscher Sprache. Der in New York tätige Krebsforscher und Onkologe zeichnet darin die lange Geschichte der Krebserkrankung nach, von der persischen Königin Atossa, der ersten dokumentierten (Brust-) Krebspatientin, bis in die jüngste Gegenwart. Dabei beschreibt er auch die immer wieder neuen Anläufe, die Krankheit zu heilen, welcher der griechische Arzt Hippokrates – von einem harten Brustgeschwür an einen Krebspanzer erinnert – den Namen gab.
Sidney Farbers Erfolg
Einer der Protagonisten von Mukherjees Buch ist Sidney Farber, der Vater der modernen Chemotherapie. Farber entdeckte im Winter 1947/48 in Boston bei der Behandlung leukämiekranker Kinder eine wirkungsvolle chemische Substanz zur Krebsbekämpfung. Der Erfolg stelle sich nicht auf Anhieb ein. Ein erster Behandlungsversuch mit Folsäure verschlimmerte den Blutkrebs sogar. Dann aber setzte Farber Antifolate ein und konnte so die Zahl der Leukämiezellen reduzieren. Vorher hatten Ärzte den Kampf gegen den Krebs mit chirurgischen Instrumenten und der Bestrahlung mit Röntgenstrahlen geführt. Ab jetzt führten sie ihn auch mit chemischen Wirkstoffen.
Hoffen auf moderne Genetik
Sidney Farbers Zufallsfund ist einer der Erfolge im langen Kampf gegen die heimtückische Krankheit, der auch immer wieder mit grossen Enttäuschungen einherging. Mukherjee erinnert in seiner Kulturgeschichte daran, dass vom Krebs vor 30 Jahren behauptet wurde, er würde in wenigen Jahren heilbar sein, ein Traum, die sich nicht erfüllt hat. Der indischstämmige Krebsexperte setzt hohe Erwartungen in die individualisierte Krebstherapie auf der Grundlage moderner Genetik. Zugleich will er keine falschen Hoffnungen wecken. „Bösartiges Wachstum und gesundes Wachstum sind genetisch so eng verwandt, dass ihre Entflechtung eine der grössten wissenschaftlichen Herausforderungen der Menschheit sein könnte“, schreibt der Autor. Mutationen in Krebs-Genen würden mit dem Alter zunehmen und seien damit eine inhärente Begleiterscheinung des Alterns, betont Mukherjee: „In dem Masse, wie wir unser Leben als Spezies verlängern, setzen wir unausweichlich auch bösartiges Wachstum in Gang.“
