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Multiple Sklerose (MS) ist trotz verschiedener Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, bisher nicht heilbar. Forscher der Universität Zürich haben mit Kollegen aus Berlin, Leipzig, Mainz und München jetzt aber neue Erkenntnisse zur Entstehung der Nervenkrankheit gewonnen. Die zentrale Aussage: Zwar werden bei MS die Organe des Zentralnervensystems – Gehirn und Rückenmark – geschädigt, doch die Ursache der Krankheit ist nicht hier, sondern im Immunsystem zu suchen. Der entsprechende Aufsatz ist in der aktuellen Ausgabe von „Nature Neuroscience“ erschienen.
Myelindefekte erzeugt
Bisher standen bei der Frage, wie MS entsteht, zwei Erklärungsversuche nebeneinander. Sie vermuteten die Ursache entweder in einem Immundefekt, oder aber in degenerativen Prozessen des zentralen Nervensystems. Den zweiten Erklärungsansatz hat das binationale Forscherteam nun ausgeschlossen. Die Neuroimmunologen konnten im Organismus der Maus zeigen, dass dem Zentralnervensystem keine ursächliche Wirkung bei der Entstehung der Krankheit zukommt. Um den Nachweis zu führen, erzeugten sie künstlich Defekte im Myelin, das die Nervenzellen umhüllt und das bei MS geschädigt ist, und untersuchten dann die Wechselwirkungen zur Immunabwehr. Ihre Erkenntnisse bestätigen frühere Einsichten aus breit angelegten Genomstudien. Diese hatten gezeigt, dass die an der Krankheit beteiligten Gene weitgehend für die Regulation des Immunsystems verantwortlich sind.
Suche nach Präventionsmassnahmen
„Unsere Erkenntnisse bedeuten aber nicht, dass es falsch wäre, neuroprotektive Substanzen zu suchen, denn es kommt bei MS ja tatsächlich zu Schädigungen im Zentralnervensystem, die nach Möglichkeit einzudämmen sind“, sagt Professor Burkhard Becher vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich. Die neuen Erkenntnisse geben einen Hinweis, wo die Forschung in Zukunft bei der Suche nach einer Impfung oder anderen präventiven Massnahmen zur Vermeidung von MS ansetzen sollte. „Wir sollten das Augenmerk hier nicht auf das Zentralnervensystem, sondern auf das Immunsystem richten“, empfiehlt Becher.
