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„manche meinen/lechts und rinks/kann man nicht velwechsern/werch ein illtum“, hat Ernst Jandl einst gedichtet. Damit links und rechts nicht durcheinander geraten, sorgt im Gehirn der sogenannte Balken. Dieser besteht aus einem breiten Nervenstrang, der es möglich macht, dass die beiden Gehirnhälften ihre jeweiligen Wahrnehmungen, die ihnen über die Nerven aus dem Körper zugeleitet wurden, untereinander abstimmen. Diese Abstimmung ist nötig, weil die Gehirnhälften von den körperlichen Aktivitäten nur selektiv erfahren. So wird beispielsweise eine Berührung der rechten Hand zunächst nur an die linke Gehirnhemisphäre „gemeldet“ – diese gibt die Information dann aber über den Balken an die rechte Hemisphäre weiter.
Hemmprozesse im Gehirn
Dieser insgesamt komplexe Informationsprozess besteht nicht nur aus aktivierenden, sondern auch aus hemmenden Signalen. So wird beispielsweise bei einer beabsichtigten Bewegung der linken Hand die Aktivität in der linken Hirnhälfte unterdrückt, damit sich zugleich nicht auch die rechte Hand bewegt. Wie dieser Hemmprozess auf zellulärer Ebene funktioniert, konnte nun eine Forschergruppe der Universität Bern, des Inselspitals Bern und der Humboldt-Universität Berlin nachvollziehen. Die entsprechende Studie ist vor einigen Tagen im Wissenschaftsjournal „Science“ erschienen.
Medizinischer Nutzen
Die neuen Erkenntnisse verbessern das Verständnis, wie die beiden Gehirnhälften miteinander kommunizieren. Sie könnten dereinst auch einen medizinischen Nutzen entfalten, zum Beispiel bei der Behandlung von Schlaganfall-Patienten. Diese leiden teilweise an einem „Neglect-Syndrom“, das heisst, der Patient nimmt nach einem Schlaganfall nur noch die eine Hälfte seines Körpers wahr. Dank der neuen Erkenntnisse können Forscher nach neuen Heilungsmöglichkeiten suchen. „Wir haben Zielstellen für Behandlungen gefunden, aber noch keine Behandlungen entwickelt“, sagt Dr. Lucy M. Palmer vom Institut für Physiologie der Universität Bern, „Behandlungen könnten zum Beispiel über Magnetismus oder Arzneistoffe möglich werden.“
