Themen
Rund sechs Prozent der Weltbevölkerung sind zuckerkrank, und gemäss Prognosen wird die Verbreitung der Krankheit weiter zunehmen. Viele Diabetes-Patientinnen und -Patienten leiden an chronischen Schmerzen, insbesondere an Waden und Füssen. Welche Vorgänge für diese Schmerzen verantwortlich sind, haben nun Forscher der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg genauer untersucht. Ihre Erkenntnisse haben sie kürzlich im Fachjournal „Nature Medicine“ publik gemacht.
Giftiges Stoffwechselprodukt im Fokus
Eine zentrale Rolle für den Diabetes-Schmerz spielt das giftige Stoffwechselprodukt Methylglyoxal. Dieser Stoff, der beim Abbau von Zucker (Glucose) im Blut entsteht, ist verantwortlich, dass Nerven leichter erregbar sind – was die Patienten als Schmerz wahrnehmen. Die Heidelberger Forscher konnten zeigen, wie dieser Vorgang im Einzelnen abläuft: Methylglyoxal bindet an das Protein mit dem Namen Natrium-Kanal NaV1.8, das in der Hülle von Nervenzellen vorkommt und das die Empfindlichkeit der Nervenzellen reguliert.
Medikament in Aussicht
Die neuen Erkenntnisse dienen dem Verständnis von Diabetes – und sie weisen einen Weg, um die mit Diabetes einhergehenden Schmerzen auf neue, wirksamere Art zu behandeln. Die Forscher wollen dafür einen Wirkstoff nutzen, der das schmerzverursachende Methylglyoxal unschädlich macht. Tierversuche haben die Wirksamkeit des neuen Ansatzes bestätigt. „Die Methode ist bereits patentiert, nun suchen wir Venture Capital, um ein entsprechendes Medikament auf den Markt zu bringen“, sagt Prof. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I und Klinische Chemie des Universitätsklinikums Heidelberg.
