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10.04.2012

Computerspiele machen gesund

Computerspiele führen bei Teenagern zu Abkapselung und hindern sie an der nötigen Bewegung – so lautet ein Vorurteil. Das Gegenteil ist mindestens so wahr: Speziell entwickelte Computerspiele – sogenannte Health Games – helfen beim Gesundwerden.

Die Fachhochschule Kiel untersucht in einem zweijährigen Projekt den Nutzen von Computerspielen im Bereich der Medizin. Zur Halbzeit des Projekts zieht Prof. Franziska Uhing eine positive Zwischenbilanz.

Frau Prof. Uhing, wie lautet Ihr Befund: Lassen sich Computerspiele in der Medizin sinnvoll einsetzen?

Prof. Franziska Uhing: Ja, eindeutig! Ich nenne Ihnen ein Beispiel aus der Physiotherapie. Nach einem Schlaganfall oder einer Gelenkoperation müssen die Patienten Bewegungen oft wiederholen, um wieder einen flüssigen Bewegungsablauf herzustellen. Heute ist es möglich, dass eine Infrarotkamera die Bewegung aufnimmt und dem Patienten ein Feedback übermittelt, ob er die Übung richtig ausführt. Auf dieser Grundlage können sie den Patienten nun über einen Bildschirm oder eine Projektion im Therapieraum zusätzlich motivieren, indem sie ihn spielerisch animieren, mit seiner Bewegung zum Beispiel einen Ballon zu zerschlagen oder eine Zielscheibe zu treffen. Solche spielerischen Elemente können dem Patienten helfen, seine Bewegungen korrekt auszuführen. Viele Spielekonsolen auf dem Consumermarkt funktionieren übrigens heute ganz gleich, nur eben für gesunde Menschen.

Leisten Computerspiele auch Hilfe beim Einsatz von Medikamenten?

Wenn man einer deutschen Krankenkassen-Studie glauben darf, wird die Hälfte aller verordneten Medikamente nicht eingenommen. Spielerische Anwendungen können hier Abhilfe schaffen. Menschen, die die Einnahme des Medikaments schlicht vergessen, kann eine Erinnerungs-App auf ihr Smartphone helfen. Heute sind bereits 9000 Medizin-Apps auf dem Markt. Ein anderes Beispiel ist das Computerspiel „Remission“ aus den USA. Dieses richtet sich an Kinder mit einer bestimmten Krebskrankheit. Das Spiel stellt den Kampf gegen Krebs dar – und motiviert so die Kinder, die Chemotherapie aktiv zu unterstützen.

Das Spiel führt somit einen Einstellungswandel bei den Patienten herbei.

Genau. Diesen Effekt erhalten sie übrigens auch, wenn sie einem Patienten mit einem Spiel vergegenwärtigen, welch verheerende Folgen es hat, wenn er seine Entwässerungstablette oder sein Hormonpräparat nicht einnimmt. Das mag zu drastischen Bildern führen, aber es hat eine grosse aufklärende Wirkung.

#Computerspiele machen krank, heisst es. Dabei können sie in der #Therapie gute Dienste leisten. http://bit.ly/HuwxHu #iph
Prof. Franziska Uhing
Prof. Franziska Uhing von der Fachhochschule Kiel untersucht den Nutzen von Computerspielen im Bereich der Medizin. Sie ist überzeugt, dass speziell entwickelte Computerspiele – sogenannte Health Games – beim Gesundwerden helfen.
 

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