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9. Dezember 2012

Kolumne: Krise des Systems?

Einige Stimmen sehen das "Gesundheitssystem in der Krise". In einer internationalen Studie finden 69 % der Schweizer Patienten/-innen, dass das Schweizer Gesundheitssystem gut funktioniert. Damit nimmt die Schweiz eine Spitzenstellung ein.

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz sehen das Gesundheitssystem“ in der Krise“. Vor dem Hintergrund einer „Medizin, die immer mehr leistet“, „immer teureren Behandlungsmethoden“ und den steigenden Prämien der Krankenkassen fordern sie ein „nachhaltiges Gesundheitssystem“. Gleichzeitig  legen sie auch eine „Roadmap“ für die notwendigen Reformen vor, mit klaren Aufträgen und Zielvorgaben an die verschiedenen Akteure - sozusagen ein Pflichtenheft, was in den nächsten fünf Jahren zu geschehen habe, um das Schweizer Gesundheitswesen zu sanieren.

Das Gesundheitssystem in der Krise?

Leider werfen die Expertisen und Empfehlungen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Das beginnt schon beim Ansatz des Projekts: Befindet sich das Schweizer Gesundheitssystem wirklich in einer Krise? Und sind wirklich Kostenwachstum und Mengenausweitung das Problem, wie es die Akademien suggerieren?

Wohl eher nicht wie Carlo Conti, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) als einziger am Berner Anlass der Akademien feststellte: Zwischen 2000 und 2009 wuchsen die Gesundheitskosten in der Schweiz nämlich um nur zwei Prozent Jahr, im Vergleich zu vier Prozent im Schnitt der OECD-Länder. Gemessen am Volkseinkommen liegt die Schweiz mit 11.4%  Gesundheitsausgaben nur noch an siebter Stelle der OECD-Länder. Und in einer Studie über die Effizienz der Gesundheitssysteme ist unser Land mit Australien zusammen sogar an der Spitze. Tatsächlich zeigt sich nicht nur im Gesundheitsmonitor von gfs Bern regelmässig eine hohe Zufriedenheit der Schweizer mit ihrem Gesundheitssystem. Auch in einer internationalen Befragung des „Commonwealth Fund“ sagten 69% der befragten Schweizer Patienten und Patientinnen, das Gesundheitssystem insgesamt funktioniere gut und man solle es doch bitte nur geringfügig ändern, um es weiter zu verbessern. Damit nimmt die Schweiz eine einsame Spitzenstellung ein, denn nur noch in Grossbritannien (51%) ist mehr als die Hälfte der Befragten mit ihrem Gesundheitswesen weitgehend zufrieden, während es etwa im oft als Vorbild gelobten Schweden lediglich 40% sind, in Deutschland gar nur 32% oder in den USA 25%.

Präferenzen der Bevölkerung akzeptieren

Krise? Wohl eher nicht, wenn man sich diese Zahlen anschaut. Wenn man dann noch die Klagen von Experten darüber hört, dass es gewisse Reformvorschläge beim Volk schwer haben – etwa die Notwendigkeit der Rationierung medizinischer Leistungen – und beklagt wird, gewisse Fragen seien einfach zu komplex, um den Entscheid den Stimmberechtigten zu überlassen, wird man misstrauisch. Gewiss, es braucht auch in der Schweiz schrittweise Reformen des Gesundheitswesens. Dabei sollte allerdings mit Bedacht vorgegangen und die Präferenzen der Bevölkerung nicht ignoriert werden. Generell kann man sich fragen, ob eine etwas breitere Diskussion über diesen engen Kreis der Akademien hinaus dem Projekt – sowohl der Studie zu „Effizienz, Nutzung und Finanzierung des Gesundheitswesens“ wie der „Roadmap“ – nicht gut getan hätte.

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Thomas B. Cueni Interpharma Bild

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