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27. Juli 2015

Kolumne: Hoher Nutzen – vertretbare Kosten

Immer wieder wird von den Krankenkassen und den Medien Stimmung gegen die vermeintliche „Kostenexplosion“ bei den Krebsmedikamenten gemacht.

So titelte jüngst die Handelszeitung: „Die Krankenkassen sind nicht mehr bereit, jeden Preis für Krebsmittel zu vergüten.“ Und während santésuisse-Sprecher Andreas Schiesser ganz schwarz malt – „In der Onkologie droht uns eine Vervielfachung der Kosten, wenn wir nichts unternehmen.“ – fordern einzelne Kassen das BAG bereits ultimativ auf, gewisse Produkte von der Liste zu nehmen, wenn ihr Preis im Vergleich zur Wirkung zu hoch sei.

Kosten für moderne Krebsmedikamente stagnieren
Dabei wird in dieser déjà-vu- Diskussion auch behauptet, Krebsbehandlungen mit den modernen Medikamenten seien auf Dauer nicht finanzierbar. Tatsächlich sind die Preise moderner Krebsbehandlungen deutlich gestiegen und natürlich kann man über das Kosten-Nutzen-Verhältnis einzelner Therapien unterschiedlicher Meinung sein. Doch Preise sind nicht Kosten. Fakt ist, dass die Medikamentenkosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) in den letzten fünf Jahren unterdurchschnittlich gewachsen sind: Selbst unter Einschluss der Medikamente in der Spitalambulanz stiegen die Kosten um nur 1,9 Prozent pro Jahr, was deutlich unter dem OKP-Wachstum von 3.9 Prozent liegt. Und dabei sind die Kosten für die Krebsmedikamente in den letzten drei Jahren mit nicht ganz 460 Millionen Franken pro Jahr, gar stagniert. Sie belaufen sich auf nicht einmal 10 Prozent der Medikamentenkosten. Erstaunlich aber wahr: von einem Franken Gesundheitsausgaben schlagen Krebsmedikamente mit nicht mal einem Rappen zu Buch.

Medizinscher Fortschritt ist enorm
Entsprechend scheinen mir die Klagen über die nicht (mehr) finanzierbaren Krebskosten doch ziemlich übertrieben. Und bei allem Verständnis für kritisches Hinterfragen im Einzelfall, finde ich es bemerkenswert, wie viel therapeutischen Mehrnutzen zu vertretbaren Kosten die Pharmaforschung in den letzten Jahren gebracht hat. Zwei von drei Patienten sind heute fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose noch am Leben. Bei Krebsarten wie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) ist der Fortschritt enorm. Als Glivec 2001 zugelassen wurde, betrug die 5-Jahres-Überlebensrate 31 Prozent, heute sind es fast 90 Prozent. Und ähnlich bemerkenswert war die Entwicklung beim sehr aggressiven HER-2-Brustkrebs, wo heute dank Herceptin, Kadcyla und Perjeta die Prognosen sogar deutlich besser sind als beim „normalen“ Brustkrebs.

Neue Preismodelle für Kombinationstherapien
Dass die Fortschritte wie die zur Einführung anstehenden Immuntherapien das Gesundheitswesen in Bezug auf Preise und Kosten vor Herausforderungen stellen, ist unbestritten. Doch während die Firmen über neue Ansätze in der Erstattung - unterschiedliche Preise je nach Indikation, Zahlung nur für jene Patienten, die auf Therapien ansprechen, oder neue Preismodelle für Kombinationstherapien - nachdenken, mangelt es bei den Kassen, Spitälern und Gesundheitsbehörden an Offenheit, sich administrativ für innovative Modelle bei der Vergütung zu rüsten.

Dass künftige Erfolge in der Krebstherapie das Gesundheitssystem unbezahlbar machen, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Selbst bei einer Verdoppelung des Anteils der Kosten für Onkologika wäre man noch immer erst bei einem Anteil von zwei Rappen an einem Franken Gesundheitskosten. Und die regelmässigen Preissenkungen - nach Patentablauf oder aufgrund des starken Frankens.- schaffen zusätzlich Raum für die Kosten von neuen, noch wirksameren Medikamenten.

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Thomas Cueni Kolumne farbig

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