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7. Oktober 2015

Tierversuche im Fokus: Öffentlicher Dialog und Transparenz

Öffentlicher Diskurs, Vertrauen in die Forschung und Transparenz sind Kernziele der Basel Declaration Society*, welche in einer Tagung in Rom vom 1./2. Oktober vertieft diskutiert wurden.

Zum 4. Jahreskongress der Basel Declaration Society in Rom waren Teilnehmer aus der universitären Forschung, pharmazeutischen Industrie sowie Patientenorganisationen, Tierschutz und Medien aus zahlreichen europäischen Ländern angereist.

Umgang mit Übergriffen und Falschinformationen

Der Austragungsort war nicht zufällig gewählt, denn gerade in Italien hatte die Forschergemeinde in jüngster Vergangenheit mit radikalen Tierversuchsgegnern zu kämpfen, wodurch u.a. jahrelange Forschungsprojekte zu psychischen Erkrankungen mit einem Schlag zunichte gemacht wurden. Im Mittelpunkt des Kongresses stand deshalb die Frage, wie die Forschergemeinde mit solchen Übergriffen umgehen soll und die Öffentlichkeit mehr über den Nutzen von Tierversuchen in der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung informieren kann.

Unabdingbare Transparenz und Information

Hier sind Institutionen, also Forschungseinrichtungen sowie öffentliche und private Sponsoren gefordert, etwa in „web statements“ in der Internetpräsenz darauf hinzuweisen, dass Tierversuche durch die betreffende Institution durchgeführt bzw. gefördert werden. Aber auch jeder einzelne für Tierversuche verantwortliche Forscher hat eine Vielzahl von Möglichkeiten, die eigenen Entdeckungen der Öffentlichkeit in verständlicher Sprache näherzubringen, wie etwa in Form einer Medienmitteilung oder der Durchführung eines „Tages der offenen Tür“ an Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen. Dabei sollten Forscher, wenn immer möglich, durch die Medienstellen ihrer Einrichtungen oder anderer Organisationen unterstützt werden. Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich haben gezeigt, dass Offenheit und Transparenz fast immer einen positiven Effekt haben. Der Aufbau einer zentralen, unabhängigen und professionellen Anlaufstelle für Journalisten für Anfragen im Bereich Tierversuche, wie sie durch das Science Media Center gewährleistet wird, erscheint wegweisend. Ähnliche Strukturen werden derzeit in anderen europäischen Ländern auf- bzw. ausgebaut

Mehr Offenheit und Krisenmanagement

In drei vertiefenden Arbeitsgruppen haben die Teilnehmer an Positionspapieren der Basel Declaration Society gearbeitet, welche nach der Tagung öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. So behandelte eine Arbeitsgruppe Fragen der konkreten Umsetzung von offener und transparenter Kommunikation. In einem anderen Workshop wurden aktuelle Fragen im Zusammenhang mit den „3R“-Massnahmen („reduce, refine replace“: reduzieren, verbessern, ersetzen) bei der praktischen Versuchsplanung diskutiert. Das Krisenmanagement, sowohl im Fall eines aktuellen Anlasses als auch betreffend Vorbereitungen in ruhigen Zeiten war Thema der dritten Arbeitsgruppe. Insgesamt war die Tagung sehr lehrreich und fand in positiver, sehr konstruktiver Atmosphäre statt. Von einer zunehmenden Vernetzung der Akteure in diesem Bereich in den kommenden Jahren ist auszugehen, was sich auf den Informationsstand der Öffentlichkeit zum Thema Tierversuche insgesamt nur positiv auswirken kann.

Gastbeitrag von: Prof Dr. Gregor Rainer, Mitglied des Vorstandes der Basel Declaration Society

* Wie die Helsinki Deklaration, welche die ethische Landschaft der klinischen Humanforschung grundlegend verändert hat, hat sich die Basler Deklaration zum Ziel gesetzt, dass in der biomedizinischen Forschung ethische Prinzipien, wie diejenigen der 3R, überall umgesetzt werden, wo Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt werden.

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