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1. März 2016

Sprachaufenthalt mit Diabetes

Vom Buchen über das Vorbereiten bis zum Leben in Kanada. Vom Wohnen in einer fremden Familie und alleine auf einem Skitrip. Immer mit dabei: mein Diabetes.

Mitte letzten Jahres fiel der Entscheid, anfangs 2016 ein paar Wochen Sprachaufenthalt mit Skiferien in Kanada zu verbinden. Nach der Buchung zögerte ich die gesamte Vorbereitung hinaus. Erst Ende November kümmerte ich mich dann darum, wie viel und vor allem wie ich all die Diabetesutensilien für sechs Wochen mitnehme.

So bestellte ich zum aller ersten Mal für meine Ferien eine Ersatzinsulinpumpe. Die Insulinpumpenhersteller stellen diese für Ferien kostenlos zur Verfügung. Zudem mussten für sechs Wochen Insulinschläuche, Katheter und CGM-Sensoren mit. Aus den Daten der Insulinpumpe konnte ich herauslesen, dass ich im Schnitt 60 Insulineinheiten pro Tag für Basalrate und Bolus brauche. Hochgerechnet für sechs Wochen und ergänzt mit den Einheiten an Insulin, welche für das Füllen des Pumpenschlauchs verloren gehen, ergab das rund 30ml Insulin. Dann kommt noch das Essen einer andere Kultur dazu – Handgelenk mal Pi einfach etwas mehr Insulin. Anhand der Menge kamen noch x Insulinreservoire dazu. Dank meinen Diabetestagebucheinträgen konnte ich einen Durchschnitt für Blutzuckerteststreifen und somit auch für die Stechhilfen errechnen. All das musste irgendwie in meinem Reisegepäck verstaut werden – wobei das Insulin in einer Kühltasche, einige Reservoire und zwei Reservekatheter im Handgepäck mit mussten.

Vorurteil des armen Diabetikers

Gepackt, gereist und erfolgreich bei der Gastfamilie für meinen vierwöchigen Sprachaufenthalt in Calgary angekommen, musste ich mich nebst der Zeitumstellung (auch auf der Insulinpumpe) auch schon um das Kühlen des Insulins kümmern. Damit verbunden waren auch gleich Erläuterungen, was Diabetes Typ 1 ist und wie ich damit lebe. Meine Gastfamilie hatte Diätessen und viele Einschränkungen im Kopf. Was ja heute nicht mehr so ist und so waren sie dann doch auch froh, dass sie für mich nicht anders kochen mussten. In der Sprachschule habe ich mich nicht speziell als Diabetiker geoutet. Wenn ich gefragt wurde, was für ein Schlauch denn da aus meiner Hosentasche schaue, erklärte ich mich. Wobei auch hier oft das Vorurteil des armen Diabetikers, welcher fast nichts essen darf, zum Vorschein kam.

Abschätzen, wie viel Insulin ich brauche

Nach den vier Wochen in Calgary war ich noch 12 Tage in den Rocky Mountains in verschiedenen kleineren und grösseren Skigebieten unterwegs. In der Zeit habe ich mit dem Auto gegen 1’800 Kilometer zurückgelegt, in verschiedenen Hotels übernachtet, immer wieder andere Tagesrhythmen gehabt - und das alles immer alleine. Ein gutes Wissen über seinen Diabetes ist wichtig, damit ein Tag gut verläuft. Denn beim Skifahren verhält sich der Blutzucker anders als beim Autofahren. Aber auch ein Abschätzen, wie viel Insulin ich brauche, gehört dazu, so variiert der Bedarf für ein Morgenessen vor dem Skifahren, resp. vor dem Autofahren.

Von Woche zu Woche nahm der benötigte Platz für meine Diabetesutensilien ab, was mich freute, denn so konnten ein paar Andenken mehr aus Kanada mit nach Hause.

Zur Person Andreas Kläui: Seit Oktober 2008 führe ich einen eigenen Blog, in dem ich offen über meinen Diabetes, der mir im Sommer 2005 diagnostiziert wurde, schreibe. Mein Hobby beinhaltet nicht nur Diabetes, auch blogge ich einfach über mich – wie in einem Tagebuch. Ich freue mich auf einen Besuch bei mir im klaeuiblog.

http://bit.ly/2xOMppx #iph
Kläui_Kanada
Nach vier Wochen in Calgary war Andreas Kläui noch 12 Tage in den Rocky Mountains in verschiedenen kleineren und grösseren Skigebieten unterwegs.
 

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