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15. April 2016

Mit neuen Ansätzen gegen Alzheimer

Mit neuen Ansätzen wagt sich die Forschung an die Entwicklung neuer Alzheimer-Medikamente. Das Wissen aus den Rückschlägen vergangener Jahre soll nun genutzt werden, um in Zukunft das Leben von Alzheimer-Patienten zu verbessern.

„Damit Demenz nicht vergessen geht – weder in den Forschungsabteilungen, noch in der Öffentlichkeit“, mit diesen Worten eröffnete Christiane Pauli-Magnus, Professorin an der Universität Basel, das Seminar für Wissenschaftsjournalisten in Zürich. Etwa 120 000 Menschen sind in der Schweiz von einer Demenz betroffen, jedes Jahr erkranken 28 000 Menschen neu. Trotzdem erhält die Krankheit im Vergleich zu Krebs und anderen Erkrankungen nur einen Bruchteil der medialen Aufmerksamkeit wie auch einen Bruchteil der Forschungsgelder. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass in den vergangenen dreissig Jahren viele Durchbrüche versprochen jedoch praktisch keine davon eingehalten wurden. Medikamente können die Krankheit heute etwas hinauszögern, aber von Fortschritten wie in der Krebsforschung sind die Wissenschaftler noch weit entfernt.

Trotzdem konnten die verschiedenen Experten aus Akademie und Industrie am Seminar aufzeigen, dass auch Rückschläge die Wissenschaft voranbringen. Mehrere Phase 3-Studien laufen derzeit und nach grossen Fehlschlägen in den vergangenen Jahren macht sich auch wieder Hoffnung breit. Woher kommt diese? Heute wissen die Experten besser, welche Personen für eine klinische Studie in Frage kommen und welche nicht. So gibt es Personen, bei denen die Krankheit sehr langsam verläuft und Personen, bei denen sie rasch verläuft. Heute können die Wissenschafter besser unterscheiden, welche Person zu welcher Kategorie gehört. Wer nur „langsame“ Patienten in seine Studie involviert, wird zwangsläufig scheitern, wenn die Studien nicht lange genug läuft.

Früher mit der Behandlung beginnen

Zudem wissen die Fachleute heute, dass die Behandlung in vergangenen Studien oft zu spät begonnen wurde. Heute konzentriert sich die Alzheimer-Forschung auf Personen in einem sehr frühen Stadium der Krankheit, denn die ersten Anzeichen treten bereits zehn Jahre vor dem Ausbruch auf. Je früher hier die Behandlung ansetzt, umso höher die Chance auf Erfolg.

Überhaupt ist der Zeitfaktor bei Alzheimer-Studien wichtiger geworden. „Wir wissen heute, dass wir die Studien über mindestens zwei Jahre laufen lassen müssen, damit sich der Behandlungseffekt überhaupt manifestieren kann“, so Paulo Fontoura, der bei Roche für die Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten zuständig ist.

Allerdings sind die Alzheimer-Forscher vorsichtig geworden mit ihren Prognosen. Niemand spricht vom nächsten grossen Durchbruch. Aber geschlagen geben sie sich auch nicht. „Das Bespiel Krebsforschung zeigt: Erst wenn wir die Krankheit wirklich verstanden haben, können wir wirksame Medikamente entwickeln“, so Fontoura. Soweit ist die Forschung zwar noch nicht, trotzdem hat sich das Wissen über die Krankheitsentstehung in den vergangenen Jahren stark verbessert.

Die Patienten ernst nehmen

Ein weiterer, neuer Aspekt im Bereich Alzheimer-Forschung ist der Einbezug von Patienten und von Menschen, die sich dafür einsetzen, das Leben von Alzheimer-Patienten zu verbessern. Helga Rohra ist Vorsitzende der EU-Arbeitsgruppe für Menschen mit Demenz. Sie war früher Dolmetscherin und sprach neun Sprachen – bis eines Tages die Sprache mehr und mehr ins Stocken geriet und die treffenden Wörter fehlten. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele andere: Der Hausarzt nahm sie zunächst nicht ernst, wollte nicht glauben, dass sie nicht einfach nur depressiv ist. Riet ihr zu Spaziergängen. Und nachdem die Diagnose endlich eindeutig war, gab er ihr keine Perspektive. Denn fast schlimmer als die Demenz ist für die Patienten die Depression. Die Patienten wissen, was noch kommt und dass es dagegen kein Heilmittel gibt. Mit ihrer Geschichte spricht Rohra für die vielen Patienten, die ihre Stimme nicht mehr erheben können.

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Alzheimer_Test

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