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15. Dezember 2017

Alter kann Vitaminmangel begünstigen

Ein erheblicher Teil älterer Personen hat einen Mangel an bestimmten Vitaminen und anderen Mikronährstoffen. Das zeigen deutsche Forscherinnen und Forscher im Zuge der KORA-Age Studie. Über die Ergebnisse berichten sie in der Zeitschrift 'Nutrients'.

Der Mensch braucht für ein gesundes Leben nicht nur eine reichhaltige Ernährung (Proteine, Fette, Kohlenhydrate), sondern er muss auch eine hinreichende Menge von Mikronährstoffen zu sich nehmen. Gemeint sind damit Vitamine (z.B. Vitamine A, B, C, D, E und K), Mineralstoffe (z.B. Kalzium, Magnesium) und Spurenelemente (z. B. Eisen, Zink), die allesamt von zentraler Bedeutung für den Stoffwechsel sind. Eine Untersuchung des Helmholtz Zentrums München bei gut 1000 Personen im Alter zwischen 65 und 93 Jahren hat nun gezeigt, dass viele ältere Personen bei Vitaminen und anderen Mikronährstoffen an einer deutlichen Mangelernährung leiden. Grundlage der Studie sind die Daten von KORA, kurz für: Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg.

Bewusst essen

Nach Auskunft der Wissenschaftler hatte jede zweite der untersuchten Personen zuwenig Vitamin D im Blut. Bei Vitamin B12 betraf die Unterversorgung immerhin jede vierte Person. Auch die Werte für Eisen und Folsäure lagen bei einem Teil der Personen unter dem wünschenswerten Schwellenwert; hiervon war jeweils jede zehnte Person betroffen. Um dieser Mangelsituation entgegenzuwirken, ist insbesondere eine nährstoffreiche Ernährung wichtig, betont PD Dr. Barbara Thorand vom Institut für Epidemiologie II am Helmholtz Zentrum München: „Generell sollten ältere Menschen besonders auf eine gesunde Ernährung achten: Sie haben z.B. oft mehrere chronische Erkrankungen oder nehmen Medikamente ein, die sich auf ihre Mikronährstoffbedürfnisse auswirken und zu einer Unterversorgung beitragen können. Eine nährstoffreiche Ernährung wird ebenfalls im Hinblick auf die oft reduzierte Essensmenge und die variable Essensqualität von älteren Menschen empfohlen.“

Vitaminpräparate teilweise sinnvoll

Eine weitere Möglichkeit, dem Vitaminmangel entgegenzuwirken, sind Vitaminpräparate. Diese könnten zu einer besseren Versorgung beitragen, seien aber kein Allheilmittel, stellen die Münchner Ernährungsexperten fest. Sie verweisen auf jüngste Forschungsergebnisse, wonach z.B. eine Substitution mit Vitamin D auf nicht-skelettale Erkrankungen wie kardiovaskuläre Leiden oder Krebs keinen Effekt hatte. Auch frühere Interventionsstudien mit z.B. mit Vitamin C, E oder ß-Carotin hätten oft nicht die erwarteten positiven Wirkungen auf die Gesundheit gezeigt. Barbara Thorand: „Die Einnahme von Vitaminpräparaten scheint also kein Allheilmittel zu sein, aber gerade bei älteren Menschen, die bettlägerig sind oder sich kaum noch im Freien aufhalten, kann die Aufnahme von Vitamin D (ggf. in Kombination mit Calcium) sinnvoll sein, v.a. zur Verhinderung von Knochenschwund. Eine Supplementierung von Vitamin B12 kann v.a. bei veganer Ernährungsweise oder bei der Einnahme von Medikamenten, die mit dem Vitamin B12-Stoffwechsel interagieren, nützlich sein. Das gleiche gilt bei gestörter Vitamin B12-Aufnahme im Darm.“

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PD Dr. Barbara Thorand
Die Münchner Ernährungswissenschaftlerin PD Dr. Barbara Thorand.
 

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