Themen

22. Dezember 2017

Künstliche Herzmuskeln

Wenn die Herzmuskeln ihren Dienst versagen, können Unterstützungssysteme Patientinnen und Patienten wertvolle Dienste leisten. Die ETH Lausanne (EPFL) entwickelt gegenwärtig ein wenig invasives Unterstützungssystem für Menschen mit Herzinsuffizienz.

Zahlreiche Herzerkrankungen führen in ihrer letzten Phase zu einem Herzversagen. Wenn dieser Fall droht, kann die Transplantation eines Spenderorgans helfen, oder aber ein Gerät, das das Herz fortan bei seiner Pumpleistung unterstützt. Dazu die Erläuterung von Prof. Yves Perriard, Leiter des Labors für integrierte Antriebe am EPFL-Standort Neuenburg: „Solche Geräte werden als VAD (für: Ventricule assist devices) bezeichnet. Normalerweise überbrücken VAD die Wartezeit bis zu einer Transplantation, in seltenen Fällen kommen sie auch dauerhaft zum Einsatz. Diese Geräte müssen mit dem Herz verbunden werden, entweder mit einem Röhrchen, oder indem sie in der Herzkammer platziert werden. Die Systeme kommen also immer in direkten Kontakt mit dem Blut, was zu Problemen mit Blutungen oder Thrombosen führen kann.“

Durch Strom gesteuert

Yves Perriard arbeitet mit Forscherkolleginnen und -kollegen aus Lausanne und Bern nun an einem neuen System, das nicht mit Blut in Kontakt kommt. Das neue Unterstützungsgerät besteht aus einem Ring, der um die Hauptschlagader gelegt wird. Der Ring ist aus einem Material gefertigt, das sich unter dem Einfluss von elektrischem Strom zusammenziehen und ausdehnen kann. Wird dieser Ring an die Hauptschlagader gelegt, unterstützt er die Pumparbeit des Herzens. Die Forscher der EPFL wollen den Einsatz des Unterstützungssystems bis in vier Jahren an Tieren erproben. „Wenn wir damit Erfolg haben, wird die Testung des Systems am Menschen dann weitere sechs bis acht Jahre in Anspruch nehmen“, schätzt Yves Perriard.

Dauerhaft oder temporär im Einsatz


Es wird also noch einige Jahre dauern, bis Herzpatientinnen und -patienten von der Neuentwicklung profitieren werden. Wie der Einsatz des Unterstützungssystems dereinst aussehen könnte, erläutert Yves Perriard: „Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz könnte das System helfen, die Funktionalität des Herzens wieder voll herzustellen. Unsere Idee ist, das Gerät dauerhaft einzusetzen, oder es nach sechs bis zwölf Monaten wieder zu entfernen, sofern das Herz bis dahin seine volle Funktionsfähigkeit wiedererlangt hat.“ Ob der letztgenannte Schritt tatsächlich möglich ist, lässt sich zur Zeit allerdings noch nicht sagen; das wird sich im Verlauf der weiteren Forschung erweisen. “Klar ist, dass unser System im Vergleich zu den vorliegenden Lösungen weniger invasiv ist“, betont Perriard“, „das ist ein klarer Vorzug.“

http://bit.ly/2kRL0oM #iph
künstlicher Herzmuskel
Forscher der ETH Lausanne entwickeln in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital Bern künstliche Herzmuskeln.
 

Weitere Themen