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10. Januar 2018

Mehr Sicherheit bei Kinderarzneimitteln

Kinder erhalten heute oft dieselben Arzneimittel wie Erwachsene – nur in einer anderen Dosis. Aber welche Dosis ist korrekt? Ein neues nationales Verzeichnis soll für mehr Sicherheit bei der Arzneimitteldosierung sorgen.

Die Dosierung von Arzneimitteln bei Kinder ist zum Teil problematisch. Häufig werden Kindern Medikamente verabreicht, die nur für Erwachsene getestet und zugelassen wurden. Aus medizinischer Sicht können Kinder jedoch nicht als kleine Erwachsene betrachtet werden. Ab Januar 2018 soll nun ein nationales Verzeichnis für mehr Sicherheit bei der Arzneimitteldosierung sorgen. Der Verein SwissPedDose leitet das Verzeichnis im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit. Christoph Berger ist Professor für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts- Kinderspital Zürich und Präsident des Vereins SwissPedDose.

Herr Professor Berger, die nationale Datenbank hat zum Ziel, die Sicherheit des Arzneimitteileinsatzes bei Kindern und Neugeborenen zu erhöhen. Was ist der Nutzen eines solchen Verzeichnisses?  
Prof. Christoph Berger: Das Verzeichnis ist das Abbild eines nationalen Expertenkonsenses. Bei vielen Medikamenten für Kinder gibt es bis anhin keine Dosierungsempfehlungen. Wir können deswegen aber nicht auf die Verabreichung von Medikamenten verzichten, sondern müssen uns auf die Erfahrung von Experten stützen. Die acht Kinderkliniken in Aarau, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern, St. Gallen und Zürich liefern Dosierungsempfehlungen. Experten dieser Kliniken versuchen eine gemeinsame harmonisierte Dosierung zu finden.

Was ist der konkrete Nutzen für die Kinderärzte?
KinderärztInnen und ApothekerInnen werden ab Anfang 2018 gratis auf die Dosierungsempfehlungen zugreifen können. Mit dem Register können wir uns auf ein bessere, sichere und evidenzbasiertere Dosierungsempfehlungen stützen.

Worauf basieren diese Empfehlungen?
Der Harmonisierungsprozess ist standardisiert. Die Experten erhalten von einer Koordinatorin einen Dosierungsvorschlag, der auf Literaturangaben und Standardwerten basiert. Als Experte frage ich mich: „Ist dieser anders als bisher?“ Ich gleiche den Vorschlag mit meinen Erfahrungswerten und bestehender Literatur ab. So kann ich den Dosierungsvorschlag sehr differenziert anpassen, an verschiedene Altersgruppen oder unterschiedliche Intensitäten. Wichtig ist: Wir beziehen uns bei den Empfehlungen ausschliesslich auf Wirkstoffe, nicht auf einzelne Präparate.

Wie geht es danach weiter?
Nach zwei bis drei Wochen haben alle Experten ihr Feedback abgegeben. Dann überarbeitet die Koordinatorin die Version und startet eine zweite Runde, eventuell auch eine dritte Runde. Der Dosierungsvorschlag wird an die Experten zurückgespielt. Falls es zu einem Konsens kommt, wird der Wert in die Liste aufgenommen. Falls nicht, wird der Wert offen- oder gar weggelassen.

Was sind die Auswirkungen des Registers auf der internationalen Ebene?
Wir müssen das Rad nicht in jedem Land neu erfinden. Wir möchten die internationale Zusammenarbeit fördern. England und Deutschland sind bisher in diesem Forschungsbereich aktiv und in Holland existiert bereits ein ähnliches Register. Wir haben uns kürzlich mit den zuständigen Experten getroffen und sie waren von unserem Projekt sehr beeindruckt.

Wie geht es mit dem Verzeichnis weiter?
Wir sind mit den rund 50 Medikamenten gestartet, die in den Kliniken am häufigsten verabreicht werden. In Zukunft wollen wir das Register weiter ausbauen; beispielsweise auch auf die Dosierung für Neugeborene – hier handelt es sich um ein separates Thema, bei dem es noch viele offene Fragen gibt. Auch die internationalen Beziehungen wollen wir ausbauen. Klinische Studien wollen wir nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der internationalen Ebene anstossen.

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Prof. Christoph Berger
Christoph Berger ist Professor für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts- Kinderspital Zürich und Präsident des Vereins SwissPedDose.
 

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