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11. Januar 2018

Gewisse Affenarten bekommen kein AIDS

Während Menschen normalerweise durch das HI-Virus an einer Immunschwäche erkranken, leben gewisse Affenarten trotz Virusinfektion unbeeinträchtigt weiter. Ein internationales Forscherteam hat nun molekulare Ursachen für diesen Unterschied entdeckt.

Das HI-Virus, das beim Menschen zur Immunschwächekrankheit AIDS führt, hat seinen Ursprung in Immundefizienzviren (SIV) verschiedener afrikanischer Affenarten. Vor rund 100 Jahren, wird vermutet, sind SI-Viren vom Affen auf den Menschen übertragen worden und entwickelten sich zum Erreger des Erworbenen Immunschwächesyndroms (AIDS), jener Krankheit, die in den frühen 1980er Jahre schlagartig ins öffentliche Bewussstein drang. Während infizierte Menschen – mit wenigen Ausnahmen – am HI-Virus erkranken, können verschiedene Affenarten das SIV in sich tragen, ohne je an einer Immunschwäche zu leiden. Warum das so ist, hat nun ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Emory University (USA) und der Universität Ulm (Deutschland) in der Fachzeitschrift 'Nature' dargelegt.

Genom der Russmangabe entschlüsselt

Im Zentrum der Untersuchung stand die Russmangabe. Die Forscher haben das Erbgut dieser Affenart vollständig entschlüsselt und mit jenem der Menschen verglichen. Dabei stiessen sie auf Unterschiede, welche die Funktion mehrerer Proteine beeinflussen, die für das Immunsystem von Bedeutung sind. Die Forscher stellten insbesondere fest, dass ein bestimmtes Protein (TLR4-Rezeptor) bei der Russmangabe – anders als beim Menschen – nur schwach aktiv ist. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass es bei den Affen nicht zu der für AIDS typischen chronischen Aktivierung des Immunsystems kommt, vermuten die Wissenschaftler. In der Folge bleiben Russmangaben gesund, selbst wenn sie SIV in sich tragen. Dasselbe gilt für andere Affenarten wie die Grüne Meerkatze oder den Angola-Stummelaffen. Von Schimpansen hingegen weiss man, dass sie ebenfalls an HIV-verwandten Viren erkranken können.

AIDS-Therapie beim Menschen optimieren

„Die antiretrovirale Therapie (ART) wird mittlerweile sehr effektiv zur Bekämpfung von AIDS-Erkrankungen eingesetzt, unsere neuen Ergebnisse liefern hier keinen grundlegend neuen Behandlungsansatz“, sagt Prof. Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie und Co-Autor der jüngsten Studie. Gleichwohl könnte die Therapie von AIDS-Patienten und -Patientinnen mittelfristig von den wissenschaftlichen Ergebnissen profitieren, wie Virologe Kirchhoff ausführt: „Die Resultate könnten genutzt werden, um ergänzend zur ART die verbleibende schädliche chronische Immunaktivierung bei AIDS zu verhindern. Diese ist selbst bei optimaler Therapie zu beobachten und ist wahrscheinlich für eine Beschleunigung von Alterungsprozessen verantwortlich.“

http://bit.ly/2xNBlsR #iph
Die Affenart Russmangabe ist in Westafrika beheimatet
Die Affenart Russmangabe ist in Westafrika beheimatet
 

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