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1. Februar 2018

Nervenzellen helfen Wunden heilen

An der Heilung von Wunden sind nicht nur Hautzellen beteiligt, auch 'umprogrammierte' Nervenzellen leisten ihren Beitrag. So die Erkenntnis eines Forscherteams von Universität und ETH Zürich.

Ein unglückliches Stolpern – und schon ist das Knie aufgeschürft. Ein Glück, dass Wunden auch schnell wieder verheilen. Denn der Körper hat die Fähigkeit, Verletzungen des Hautgewebes mit fantastischer Geschwindigkeit zu verschliessen. Wie genau dieser Heilungsprozess abläuft, gibt der Wissenschaft immer noch Rätsel auf, wie Lukas Sommer, Professor am Anatomischen Institut der Universität Zürich, sagt: „Für die Wundheilung sind die Zellen der äusseren Hautschicht – die Keratinozyten – von grosser Bedeutung. Aber auch die Zellen des Immunsystems haben einen Einfluss, wie seit Neustem erwiesen ist. Dank unserer eigenen Forschung wissen wir, dass auch Nervenzellen für ein gutes Verheilen von Wunden wichtig sind“, sagt der ausgebildete Biologe und erfahrene Stammzellforscher.

Nervenzellen mit neuer Funktion

Ein Forscherteam um Lukas Sommer hat nun zusammen mit Kollegen der ETH Zürich neue Erkenntnisse gewonnen, wie genau sich Nervenzellen an der Wundheilung beteiligen: Sogenannte Gliazellen, deren Aufgabe normalerweise darin besteht, die Nervenbahnen umhüllend zu schützen, eilen im Fall einer Verwundung als Helferzellen an den Ort der Verletzung. Dabei werden sie in Reparaturzellen umprogrammiert, bekommen also eine neue Funktion. Ihre Aufgabe besteht nicht in der Herstellung neuer Zellen, vielmehr schütten sei einen Cocktail aus Wachstumsfaktoren, Proteinen und weiteren Molekülen aus, welcher die Wundheilung unterstützt. Die Zürcher Forscher konnten mit genetischen Experimenten nachweisen, wie die umprogrammierten Nervenzellen den Umbau der Lederhaut fördern und damit das Verschliessen der Wunden vorantreiben. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin 'Nature Communications'.

Chronische Wunden heilen

Ein vertieftes Verständnis der Wundheilung könnte längerfristig neue Therapien eröffnen. „Wir wissen, dass Wunden mit zunehmendem Alter weniger gut heilen“, sagt Lukas Sommer, „und gerade Diabetiker leiden bisweilen an chronischen Wunden, die nur sehr schlecht abheilen. In solchen Fällen können wir die Wundheilung langfristig vielleicht auf der Grundlage unserer Forschung medizinisch unterstützen“, blickt Sommer in die Zukunft. Bis es soweit ist, müssen die Wissenschaftler die Mechanismen rund um die Wundheilung aber noch besser verstehen. In Zusammenarbeit mit Kliniken des Universitätsspitals Zürich wollen sie insbesondere die Zusammensetzung des oben erwähnten Cocktails aus Wundheilungsfaktoren näher bestimmen. Zu klären ist überdies die Frage, was die Gliazellen veranlasst, sich nach einer Verletzung in Reparaturzellen zu reprogrammieren.

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Das Foto zeigt, wie nach einer Verwundung reprogrammierte Gliazellen ins Wundbett einwandern: die dickeren Bänder sind Nervenbahnen, die kleineren Punkte lauter Zellen, die sich von den Nervenbahnen losgelöst haben, um ihre Arbeit als 'Wundheiler' wahrzun
Das Foto zeigt, wie nach einer Verwundung reprogrammierte Gliazellen ins Wundbett einwandern: die dickeren Bänder sind Nervenbahnen, die kleineren Punkte lauter Zellen, die sich von den Nervenbahnen losgelöst haben, um ihre Arbeit als 'Wundheiler' wahrzunehmen
 

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