Themen

22. Februar 2018

Kombinations-therapie gegen AML

Hinter der Abkürzung AML verbirgt sich der häufigste Blutkrebs bei Erwachsenen. Ein Forscherteam aus dem deutschen Freiburg hat nun erfolgreich eine Kombinationstherapie für Patienten erprobt, denen konventionelle Behandlungen nicht helfen.

Bei der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) attackieren Krebszellen das Blut der erkrankten Personen. Zur Therapie greifen Ärzte primar zu einer Chemotherapie, welche die Krebszellen bekämpft, oft gefolgt von einer Übertragung von Blustammzellen, welche die eliminierten Leukämiezellen durch gesunde Blutzellen ersetzen. Diese Therapie ist sehr wirksam, allerdings nicht bei allen Personen. Zirka bei jedem achten Patienten lässt sich AML auf diesem Weg nicht langfristig zurückdrängen. Diese Personen könnten nun von einer neuen Kombinationstherapie profitieren, welche Wissenschaftler und Ärzte der Universitätsklinik Freiburg erfolgreich klinisch getestet haben. Über ihre Erkenntnisse haben sie unlängst im Fachmagazin 'Nature Medicine' berichtet.

Gute Ergebnisse im klinischen Versuch

Die neue Therapie kommt zum Einsatz, wenn der Krebs nach einer Transplantation von Stammzellen wieder zurückkehrt: In diesem Fall erhält der Patient T-Lymphozyten des gesunden Stammzellspenders, welche die Leukämiezellen abtöten, zusammen mit dem Medikament Sorafenib. Eine klinische Untersuchung mit rund 400 AML-Patientinnen und -Patienten in weltweit 39 Studienzentren hat die Wirksamkeit dieses Ansatzes bestätigt: Ein Teil der so behandelten Personen konnte geheilt werden, bei einem Teil wurde der Blutkrebs stark zurückgedrängt, wie die Wissenschaftler berichten. „Als Erstlinientherapie wird auch in Zukunft die Chemotherapie zur Anwendung kommen“, sagt Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Sektion für Tumorimmunologie am Universitätsklinikum Freiburg, der die Studie geleitet hat, „aber für jene Patientinnen und Patienten, bei denen die Leukämie mit der FLT3-ITD-Mutation nach einer Stammzelltransplantation zurückkehrt (Rezidiv), ist unsere Kombinationstherapie sehr wichtig.“

Wirkungsmechanismus aufgeklärt

Eine vertiefte Laboranalyse, die massgeblich von der Biotechnologin Dr. Nimitha Mathew im Team von Prof. Zeiser durchgeführt wurde, konnte die Wirkungsweise der Kombinationstherapie aufzeigen: Der Wirkstoff Sorafenib schafft die Voraussetzung, dass die transplantierten, gesunden T-Immunzellen die Krebszellen im Blut erkennen und zerstören können. Das gelingt, indem Sorafenib in den Krebszellen die Produktion des Botenstoffs Interleukin-15 anregt – und damit den Tarnmechanismus aushebelt, mit denen sich die Krebszellen vor dem Zugriff der Immunzellen zu verbergen suchen. Die neue Kombinationstherapie kann im klinischen Alltag sofort eingesetzt werden, da der Wirkstoff Sorafenib bereits für die Behandlung von Leber-, Nieren- und Schilddrüsenkrebs zugelassen ist.

http://bit.ly/2xP88xp #iph
Mäuse mit Leukämie: Eine Transplantation gesunder Immunzellen reicht nicht aus (links). Wird aber gleichzeitig Sorafenib gegeben, werden die Tumorzellen zurückgedrängt (rot: viele Krebszellen, blau: wenige Zellen)
Mäuse mit Leukämie: Eine Transplantation gesunder Immunzellen reicht nicht aus (links). Wird aber gleichzeitig Sorafenib gegeben, werden die Tumorzellen zurückgedrängt (rot: viele Krebszellen, blau: wenige Zellen).
 

Weitere Themen