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26. Februar 2018

Malaria-Infektion zum Zweck der Forschung

Menschen, die im Kindesalter wiederholt dem Malaria-Erreger ausgesetzt waren, können gegen diesen eine Immunität aufbauen. Für ein Untersuchungsprojekt wurden Testpersonen auf freiwilliger Basis gezielt mit dem Malaria-Erreger angesteckt.

Mehr als 200 Millionen Menschen weltweit erkranken jedes Jahr an Malaria. Es gibt aber auch Personen, denen der Malaria-Erreger nichts mehr anhaben kann, weil sie gegen ihn eine natürliche Immunität entwickelt haben. Dazu die Erklärung von Dr. Bertrand Lell, Malaria-Experte am Centre de Recherches Médicale de Lambaréné (CERMEL) in Gabun: „Ein Mensch muss mehreren Infektionen in der Kindheit ausgesetzt sein, um eine klinisch bedeutsame Immunität gegen Malaria aufzubauen. Diese sogenannte 'Semi-Immunität' kommt praktisch nur bei erwachsenen Afrikanern vor. Einen Schutz gegen die Tropenkrankheit bietet darüber hinaus auch das Sichelzellgen; dieses schützt vor allem Kinder vor schweren Formen der Malaria.“ CERMEL-Forscher Lell hat nun mit Kollegen des Tübinger Instituts für Tropenmedizin und weiteren Partnern eine Studie realisiert, um die natürliche Malaria-Immunität besser zu verstehen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im 'American Journal of Tropical Medicine and Hygiene'.

28 Tage mit dem Malaria-Erreger

Für die Untersuchung wurde der Malaria-Erreger auf freiwilliger Basis elf semi-immunen Gabunern mit normalem Hämoglobin und neun semi-immunen Gabunern mit Sichelzellgen injiziert. Als Kontrollgruppe dienten fünf europäische, nicht immune Personen mit normalem Hämoglobin. Die Probanden wurden nach der Ansteckung 28 Tage kontinuierlich beobachtet, zudem wurde ab Tag 5 der Infektion täglich eine Blutprobe entnommen. Am Ende des Vier-Wochen-Zeitraums wurde die Infektion mit einem Malaria-Medikament beendet. Die gezielte Übertragung des Krankheitserregers auf Freiwillige hat wissenschaftlich grosse Vorteile, wie Bertrand Lell ausführt: „Bei jeder herkömmlichen immunologischen Untersuchung zur Immunität gegen Malaria ist sehr viel Unsicherheit im Spiel, denn man kennt bei einer 'natürlichen' Infektion weder den Zeitpunkt der Infektion noch den Erreger. Mit der kontrollierten Malaria-Inokulation, bei der Probanden eine bekannte Anzahl von Erregern eines bekanntes Parasitenstamms zu einem bekannten Zeitpunkt bekommen, fällt sehr viel Unsicherheit weg und alle immunologischen Untersuchungen werden aussagekräftiger.“

Nutzen für Medikamentenentwicklung

Die Ergebnisse der Studie haben nun frühere Erfahrungen bestätigt: Eine natürlich erworbene Immunität gegen Malaria verlängert die Zeit bis zum Auftreten der Erreger im Blut. In der Folge erkrankten die Probanden entweder später oder gar nicht. Auch bei den Trägern des Sichelzellgens waren die Erreger später nachweisbar, und es traten weniger symptomatische Malariafälle auf. Laut Dr. Lell gibt die jüngste Untersuchung neue Impulse für die Behandlung von Malaria: „Es ergeben sich vor allem Vorteile bei der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung. Bei der Verwendung der kontrollierten Malaria-Infektion in der klinischen Entwicklung wird man schon viel früher zwischen vielversprechenden und ungeeigneten Medikamenten und Impfstoffen unterscheiden können. Dies führt zu einer Zeit- und Kostenreduktion und in weiterer Folge hoffentlich zu einer Steigerung der Zahl neuer Interventionen.“

http://bit.ly/2sBJCel #iph
Malariaforscher
Der Malaria-Forscher Dr. Bertrand Lell (rechts) mit dem Studienteam in Lambaréné, Gabun. Das Foto wurde bei einem Besuch von Stephen Hoffman, dem Entwickler des bei der Studie verwendeten injizierbaren Malaria-Erregers, aufgenommen.
 

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