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1. März 2018

Gegen eine seltene Form von Rheuma

Ein bereits vor Jahren entwickelter Wirkstoff könnte sich für die Behandlung der sogenannten Still-Krankheit eignen. Das hat ein internationales Forscherteam unter Genfer Leitung in einer klinischen Phase-II-Studie dargelegt.

George Frederic Still war ein britischer Kinderarzt. Um das Jahr 1900 beschrieb er als erster die Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, die heute vielen Menschen unter der Abkürzung ADHS benannt ist. Wenige Jahre zuvor hatte der Mediziner schon eine andere Krankheit beschrieben, die inzwischen als Still-Krankheit (oder als juvenile idiopathische Arthritis) bezeichnet wird. Die Still-Krankheit geht mit einer chronischen Entzündung der Gelenke einher und wird den rheumatischen Leiden zugerechnet. Unter Erwachsenen ist eine von 100'000 Personen von dieser 'seltenen' Krankheit betroffen; bei Kindern beträgt die Häufigkeit 1 von 10'000. Die Ursache der Erkrankung ist bislang nicht bekannt.

Die Hälfte der Patienten profitiert

Für Patientinnen und Patienten mit Still-Krankheit eröffnet sich nun die Hoffnung auf ein neues Medikament: Universität und Universitätsspital Genf haben zusammen mit internationalen Partnern und dem Jungunternehmen AB2 Bio einen Wirkstoff in einer klinischen Phase II-Studie erfolgreich auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet. 23 Patientinnen und Patienten erhielten das potenzielle Medikament in zwei unterschiedlichen Dosierungen während zwölf Wochen. Bei der Hälfte der Testpersonen schlug der Wirkstoff nach drei Wochen an, und sie profitierten im Zuge der zwölfwöchigen Behandlung von einer Linderung bei den Symptomen. Die beteiligten Wissenschaftler und Ärzte stufen die Ergebnisse als sehr ermutigend ein, wie sie in der Fachzeitschrift 'Annals of the Rheumatic Diseases' schreiben.

Wirkstoff bereits früher entwickelt

Der eingesetzte Wirkstoff hemmt das Protein Interleukin-18 (IL-18), das im Körper die Immun- und Entzündungsreaktionen reguliert und bei Patienten mit Still-Krankheit zu einer Überreaktion des Immunsystems und zu schweren Entzündungen führt. Das Forscherteam unter Genfer Leitung hat den IL-18-Inhibitor (Hemmstoff) nicht selber entwickelt. Vielmehr war dieser bereits vor Jahren zur Behandlung von rheumatischer Arthritis und Schuppenflechte entwickelt worden, ist damals aber wieder fallengelassen worden. Diesmal, so die Hoffnung, könnte nun tatsächlich ein neues Medikament entstehen, wie Cem Gabay, Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf und Leiter der Rheumatologie am Universitätsspital Genf, sagt: „Eine klinische Phase-III-Studie ist bereits geplant und dürfte in ca. einem Jahr durchgeführt werden. Im besten Fall wird das neue Medikament ab 2021 für Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen.“

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Prof. Cem Gabay
Prof. Cem Gabay von Universität und Universitätsspital Genf ist ein Experte für rheumatische Krankheiten.
 

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