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3. April 2018

Tuberkulose-Medikamente angemessen dosieren

Tuberkulose ist nach wie vor eine sehr bedrohliche Infektionskrankheit. Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass die verfügbaren Medikamente mitunter zu tief dosiert sind und die Lungenkrankheit deswegen heute nicht optimal behandelt wird.

In der Schweiz sind Tuberkulose-Erkrankungen relativ selten. Doch weltweit betrachtet sterben immer noch jeden Tag über 4000 Menschen an der Infektionskrankheit. Das müsste nicht sein, denn seit Jahrzehnten stehen Medikamente zur Verfügung, mit denen sich Tuberkulose wirksam eindämmen und heilen liesse. Eine neue Studie, welche die Universität und das Universitätsspital Zürich gemeinsam mit der Makerere-Universität in Kampala (Uganda) durchgeführt hat, zeigt nun ein weiteres Problem: Die Tuberkulose-Patientinnen und -Patienten werden offenbar mit zu geringen Mengen der verfügbaren Wirkstoffe behandelt, insbesondere dann, wenn sie an einer HIV-Erkrankung leiden. Über ihre Forschungsergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Clinical Infectious Diseases'.

Isoniazid und Rifampicin

An der Studie waren während zweieinhalb Jahren 268 Patienten beteiligt, die an einer Lungentuberkulose und gleichzeitig an einer HIV-Infektion litten. Die Patienten erhielten die Tuberkulose-Medikamente Isoniazid und Rifampicin während der Therapie in der Dosierung, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen wird. Trotzdem mussten die Wissenschaftler feststellen, dass die Medikamente im Blut in einer geringeren Konzentration vorhanden war als angestrebt. Als Folge davon husteten die Patienten länger Tuberkelbakterien aus als Personen mit einem höheren Medikamentenspiegel im Blut und blieben somit länger ansteckend. Sind die von der WHO empfohlenen Dosen für die Tuberkulose-Behandlung also zu tief angesetzt? „Wir wissen das noch nicht mit Sicherheit“, sagt Prof. Jan Fehr, Public-Health-Experte der Universität Zürich, „aber unsere Studienergebnisse zeigen, dass wir die Dosierungen weiter überprüfen sollten.“ Fehr weist darauf hin, dass die heute gebräuchlichen Medikamententherapien aus den 1970er Jahren stammen, einer Zeit also, als HIV als Krankheit noch gar nicht bekannt war.

Nutzen auch für die Schweiz

Nach Auskunft von Jan Fehr deuten weitere Untersuchungen darauf hin, dass eine höhere Dosierung des Medikaments Rifampicin zu einer wirksameren Behandlung führt. Diese vorläufigen Erkenntnisse sollen nun mit weiteren Studien erhärtet werden. Nach Auskunft des Zürcher Public-Health-Fachmanns ist eine Verbesserung der Tuberkulose-Behandlung nicht nur für die Entwicklungsländer im Süden wichtig, sondern auch für Staaten wie die Schweiz: „Tuberkulose-Therapien dauern heute im Minimum immer noch sechs Monate, gehen mit erheblichen Nebenwirkungen einher und haben Interaktionen mit anderen Medikamenten. Alles Gründe, weshalb die Patienten die Medikamente gelegentlich vor Therapieende absetzen oder unregelmässig einnehmen. Eine bessere Behandlung modernen Zuschnitts wäre hier durchaus wünschbar. Damit könnte der Antibiotikaresistenz-Entwicklung auch wirksam der Kampf angesagt werden, denn sowohl Therapieunterbrüche wie auch Unterdosierung fördern die Entstehung von multiresistenter Tuberkolose. Dies ist für Ärzte wie Patienten ein Alptraum“, sagt Prof. Fehr.

http://bit.ly/2kQegvY #iph
Forschende der Universität Zürich untersuchen zusammen mit der Makerere-Universität in Kabala (Uganda) globale Gesundheitsprobleme wie Tuberkulose
Forschende der Universität Zürich untersuchen zusammen mit der Makerere-Universität in Kabala (Uganda) globale Gesundheitsprobleme wie Tuberkulose
 

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