Themen

6. April 2018

Ein Protein verhindert Leberkrebs

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Biozentrums der Universität Basel hat ein Protein entdeckt, das die Vermehrung von Krebszellen in der Leber bremst. Bis zu einer medizinischen Nutzung gibt es noch erhebliche Hürden zu überwinden.

Die Zahl der Leberkrebspatienten hat sich in der Schweiz in den letzten zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Ist die Tumorerkrankung weit fortgeschritten, nehmen die Chancen auf Heilung stark ab, nachdem die Leber schon stark geschädigt ist. Wissenschaftler des Biozentrums der Universität Basel haben nun zusammen mit internationalen Partnern einen neuen Anknüpfungspunkt für die Behandlung von Leberkrebs gefunden: Das Protein LHPP – ein sogenannter Tumorsuppressor – verhindert in Leberzellen das Fortschreiten des Krebstumors. Die Forscherinnen und Forscher haben kürzlich in der Fachzeitschrift 'Nature' über ihre Erkenntnisse berichtet.

4000 Proteine durchforstet

Das Forscherteam um Prof. Michael N. Hall hat in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen, dass der Verlust von LHPP in Leberkrebszellen das Tumorwachstum begünstigt und somit das Fortschreiten der Krebserkrankung beschleunigt. Um dem Protein LHPP auf die Spur zu kommen, hatten die Wissenschaftler 4000 Proteine in gesundem und in Krebsgewebe untersucht. Dabei stiessen sie auf die Histidin-Phosphatase LHPP. Die Forscher konnten nachweisen, dass der LHPP-Spiegel in den Tumorzellen der Mäuse wie auch in Tumoren von Leberkrebspatienten im Vergleich zu gesunden Leberzellen markant verringt war. Ob sich die Resultate medizinisch nutzen lassen, ist zur Zeit noch offen, wie Prof. Hall betont: „Tumorsuppressoren wie LHPP bewahren das Gewebe normalerweise davor, von Krebs befallen zu werden. Ob es in der Lage ist, einen Tumor zurückzubilden oder aufzuhalten, müsste erst noch untersucht werden.“ Da die Forscher jetzt wissen, dass die sogenannte Histidin-Phosphorylierung krebserzeugend ist, „könnte man zum Beispiel einen Wirkstoff entwickeln, welcher die Histidin-Kinase NME1 oder NME2 hemmt“, sagt Hall.

Biomarker für Schwere der Krebserkrankung

Wie die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung weiter herausfanden, geht ein tieferer LHPP-Spiegel bei den Patienten mit einem höheren Schweregrad der Erkrankung und einer kürzeren Lebenserwartung einher. Weil das so ist, kann der LHPP-Wert in einer Leberkrebszelle als Biomarker herangezogen werden, der über den Stand der Krankheit Auskunft gibt, wie Michael N. Hall sagt: „Unsere Resultate zeigen, dass LHPP als Biomarker für die Klassifizierung von Patienten geeignet ist. Anders ausgedrückt: Der Spiegel von LHPP kann als Biomarker genutzt werden, um Patienten mit einem erst schwach entwickelten Tumor von Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren zu unterscheiden. Der Spiegel der LHPP-Expression in Tumoren könnte Ärzten helfen zu entscheiden, welche Therapie für einen Leberkrebs-Patienten am zielführendsten ist.“

http://bit.ly/2kTYMaE #iph
Krebszellen
Mit dem Rasterelektronenmikroskop aufgenommene Krebszellen.
 

Weitere Themen