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9. April 2018

Resistente Darmtumore erkennen

Die eingesetzten Medikamente verlieren im Verlauf der Darmkrebserkrankung oftmals ihre Wirksamkeit. Ein deutsches Forscherteam arbeitet an Bluttests, die Resistenz vorhersagen vermögen und somit den Behandlungserfolg verbessern könnten.

Schreitet die Entwicklung eines Darmtumors voran, bilden sich Tochtergeschwüre (Metastasen). Zur Behandlung der Krebserkrankung werden insbesondere Chemotherapeutika eingesetzt, doch nicht immer mit anhaltendem Erfolg: Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten kehrt der Krebs nach einem anfänglichen Behandlungserfolg wieder zurück, und das eingesetzte Krebsmedikament verliert seine Wirksamkeit, weil Tumorzellen gegen das Medikament eine Resistenz entwickeln. Warum solche Resistenzen auftreten, ist die zentrale Fragestellung einer klinischen Studie mit dem Namen REVEAL, in der Krebsforscher aus München und Berlin zusammenarbeiten.

Informationen aus Blutproben

Um den Ursachen für die auftretende Resistenz gegen Chemotherapeutika auf die Spur zu kommen, untersuchen die Wissenschaftler die in den Tumorzellen enthaltenen Erbinformationen – und zwar vor als auch nach der chemotherapeutischen Behandlung. Auf diesem Weg wollen sie genetische Muster (Biomarker) finden, mit denen sich Behandlungserfolg und Rückfallrisiko im Verlauf einer Therapie zuverlässig erkennen lassen. So konnte bereits gezeigt werden, dass für die genetische Untersuchung eines Tumors nicht zwingend eine Gewebeprobe aus dem Tumor entnommen werden muss. Stattdessen ist die in den Tumorzellen enthaltene genetische Information auch im Blut zu finden. „Die genetische Information der Tumorzellen ist auch in zellfreier Tumor-DNS im Blut enthalten; es ist also möglich, die Erbinformation der Tumorzellen über eine Blutprobe zu bestimmen, was technisch einfacher und für die Patienten weitaus weniger belastend ist“, sagt Dr. Julian Holch, Arzt am Klinikum der Universität München und Studienkoordinator von REVEAL.

Überlebensvorteil der Krebszellen

Da eine Flüssigbiopsie des Bluts einfacher zu bewerkstelligen ist als eine Biopsie zum Beispiel der Leber, werden genetische Untersuchungen mit diesem Verfahren stark erleichtert. Damit wird es zugleich einfacher, die ersten Anzeichen einer Resistenzbildung zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu erkennen. Um die Gleichwertigkeit von erneuten Tumorbiopsien mit Flüssigbiopsien zu zeigen, werden derzeit die entsprechenden Proben von 68 Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs der REVEAL-Studie untersucht. „Warum Tumorzellen gegen Chemotherapeutika resistent werden, können wir noch nicht abschliessend sagen“, kommentiert Dr. Holch. „Die gängige Lehrmeinung ist, dass Tumorzellen mit bestimmten Mutationen im Erbgut einen Überlebensvorteil entwickeln, mit dem sie es schaffen, der vernichtenden Wirkung der Krebsmedikamente zu entgehen. Mit den Untersuchungen zur REVEAL-Studie erhoffen wir uns auch zu diesem sehr mechanistischen Modell weitere Erkenntnisse.“

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Forschung_im Labor
 

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