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10. April 2018

Bluthochdruck schonend senken

Um hohen Blutdruck zu bekämpfen, kommen heute mehrere Klassen von Medikamenten zur Anwendung. Ein Schweizer Forscherteam hat nun zwei dieser Klassen verglichen und deren Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen.

Hoher Blutdruck ist gerade bei älteren Personen weit verbreitet. Legt man die aktuellen Grenzwerte die amerikanischen Fachgesellschaften zugrunde (130/80 mmHg), leiden nicht weniger als 40% der erwachsenen Bevölkerung an einem unerwünscht hohen Blutdruck. Hoher Blutdruck wird heute mit verschiedenen Klassen von Medikamenten behandelt. Gemäss Daten aus dem Jahr 2016 kamen bei 20% der Patientinnen und Patienten ACE-Hemmer zum Einsatz, bei 27% Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARBs). Ein Forscherteam um Prof. Dr. med. Franz Messerli und Prof. Dr. med. Stefano Rimoldi von der Universitätsklinik für Kardiologie des Berner Inselspitals hat die beiden Medikamente nun verglichen. Das Fazit der Studie: Beide Medikamente sind praktisch gleich wirksam, allerdings haben ARBs den Vorteil, dass sie mit weit geringeren Nebenwirkungen einhergehen und somit für Patientinnen und Patienten verträglicher sind. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler im Fachjournal JACC.

Daten von über 250'000 Patienten

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie die Daten von über 250'000 Patienten aus. Ein Teil von ihnen war abgesehen vom erhöhten Blutdruck gesund, ein anderer Teil litt an Erkrankungen der Herzkranzgefässe, an Herzinsuffizienz, Diabetes oder an einer chronischen Nierenerkrankung. Beide Wirkstoffe senkten das Risiko für Todesfälle, Herzinfarkt, Herzversagen, Hirnschlag oder Nierenversagen gleichermassen gut – besonders auch bei zusätzlichen Risikofaktoren wie einer koronaren Herzerkrankung oder Diabetes, fassen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse zusammen. In der Gesamtbewertung schwangen die ARBs allerdings obenaus, weil diese Medikamentenklasse deutlich weniger Nebenwirkungen hervorruft. Zu diesen gehören insbesondere trockener Husten und – in sehr seltenen Fällen – lebensbedrohliche Erstickungsanfälle (Angio-Ödem). Diese konnten auch erstmals Monate und Jahre nach Einnahme von ACE-Hemmern auftreten. Im Vergleich zu Placebo lindern die ARBs teilweise sogar Kopfschmerzen und andere Beschwerden, die als Folge von Bluthochdruck entstehen können.

ARBs klar im Vorteil

Die Berner Kardiologen plädieren für eine Bevorzugung der ARBs gegenüber den ACE-Hemmern, zumal sich erstere unterdessen bei den Kosten den ACE-Hemmern angepasst haben, da sie mit einer Ausnahme (Azilsartan) als Generika erhältlich sind. „Die neuste Studie zeigt klar, dass ARBs in jedem Fall die bessere Wahl sind als ACE-Hemmer“, sagt Prof. Messerli und ergänzt: „Falls eine neue prospektive Head-to-Head-Studie einen signifikanten Vorteil der ACE-Hemmer zeigen würde, sind wir gerne bereit, unsere Meinung zu revidieren, eine solche ist zur Zeit allerdings nicht in Sicht.“ Franz Messerli weist zugleich darauf hin, dass heute auch sehr nützliche Kombinationspräparate zum Einsatz kommen, die ACE-Hemmer enthalten, z.B. mit Statin, die die regelmässige Medikamenteneinnahme vereinfachen. „Bei der Herzinsuffizienz darf man postulieren (aber mehr nicht), dass unter Umständen die zusätzliche vasodilatatorische Wirkung der ACE-Hemmer via Bradykinin etwas helfen könnte. Aber diese Patienten werden heutzutage ohnehin mit Valsartan-Saccubitril (Entresto) behandelt“, betont Kardiologe Messerli.

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Bis zu 40 Prozent der erwachsenen Menschen haben nach den neuen Richtlinien der US-Fachgesellschaften Bluthochdruck.
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