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27. April 2018

Wenn Alkohol das Leben verkürzt

Dass übermässiger Alkoholkonsum der Gesundheit schadet, ist eine Binsenwahrheit. Ein internationales Forscherteam konnte nun nachweisen, dass regelmässiger Konsum auch schon von mittelgrossen Alkoholmengen das Leben verkürzt.

Ein internationales Wissenschaftlerkonsortium unter der Leitung von Forscherinnen und Forschern der Universität Cambridge hat in einer neuen Studie die gesundheitlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums untersucht. Hierbei wurden die Trinkgewohnheiten von 600'000 Menschen aus 19 Ländern weltweit berücksichtigt. Das Ergebnis zeigt: Wer regelmässig 100 und mehr Gramm Alkohol pro Woche konsumiert, was zwei Litern Bier oder knapp einer 0,75 l-Flasche Weisswein entspricht, riskiert eine Verkürzung seines Lebens. So lautet die Quintessenz der Untersuchung, die jüngst im Fachmagazin 'Lancet' veröffentlicht wurde.

Je mehr, desto schädlicher

Der Effekt auf die Lebensspanne akzentuiert sich nach Auskunft der Wissenschaftler mit steigendem Alkoholkonsum: Bei 200 Gramm Alkohol pro Woche sinkt die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre, bei einem Konsum von über 350 Gramm sogar um bis zu fünf Jahre. Der Alkohol führt zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, tödliche Aneurysmen und Herzversagen, tödlichen Bluthochdruck, aber auch zu einer insgesamt erhöhten Gesamtsterblichkeit. Vom beschriebenen Sterblichkeitsrisiko sind Frauen und Männer gleichermessen betroffen, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie festhalten. Dieses Ergebnis steht in einem gewissen Widerspruch zu den aktuellen Empfehlungen von Fachorganisationen für den unbedenklichen Alkoholkonsum. So sieht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Männern 140 Gramm Alkohol pro Woche als unbedenklich an, bei Frauen 70 Gramm.

Das legendäre Glas Wein pro Tag

Und wie verhält es sich mit der oft gehörten Aussage, in Glas Wein pro Tag sei nicht nur nicht ungesund, sondern verhelfe sogar zu einem langen Leben? Die Untersuchung hat tatsächlich bestätigt, dass bei einem moderaten Alkoholkonsum weniger Herzinfarkte auftreten. Allerdings konnte die verbreitete Annahme, wonach moderates Trinken die Sterberate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt senkt, nicht untermauert werden. Fachleute von Sucht Schweiz, die sich der Prävention von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen widmen, warnen dann auch davor, sich von einem täglichen Glas Wein Gesundheit zu erhoffen: „Dass ein regelmässiges Glas Alkohol sich auf das Herz positiv auswirkt, wird von einzelnen Studien bestätigt. Allerdings wird der positive Effekt vom erhöhten Krebs- und Abhängigkeitsrisiko wieder zunichte gemacht. Es wäre deshalb falsch, Alkohol in geringen Mengen als eine Form der Gesundheitsprävention zu propagieren“, sagt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz.

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