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2. Mai 2018

Gefährlicher Jodmangel

Die Jodversorgung der Schweizer Bevölkerung ist grundsätzlich gut, doch es gibt Lücken insbesondere bei der Versorgung von Frauen im gebährfähigen Alter, bei Föten und Kleinkindern. Wissenschaftler warnen vor gravierenden Folgen.

Mitte April haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des EU-geförderten Projektes EUthyroid und mehrere Interessengruppen die Krakauer Erklärung zu Jod (Kraków Declaration on Iodine) verabschiedet. Sie fordern die Entscheidungsträger in Europa zu Massnahmen gegen die ungenügende Versorgung mit Jod auf. Der Mikronährstoff ist wichtig für die Entwicklung der Intelligenz bei Kindern und Jugendlichen. Bei Jodmangel drohen in diesem Bereich empfindliche Defizite: Nach einer aktuellen Schätzung der beteiligten Wissenschaftler aus 27 Ländern könnten bis zu 50% aller Neugeborenen in Europa aufgrund von Jodmangel in der Gehirnentwicklung beeinträchtigt sein. Schon ein leichter Jodmangel bei der Mutter, so die Experten, könne zu einer Beeinträchtigung des Intelligenzquotienten beim Kind führen.

Schweiz steht gut da, aber...

Die Deklaration wurde mit unterzeichnet von Michael B. Zimmermann, Professor für Humanernährung an der ETH Zürich. Zimmermann ist gemeinsam mit Dr. Maria Andersson für das Jod-Monitoring in der Schweiz verantwortlich. Ein grosser Anteil der Schweizer Haushalte, nämlich über 80%, verwendeten heute jodiertes Salz, sagt Maria Andersson, Wissenschaftlerin am Universitätskinderspital Zürich und Dozentin am Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich. „Im Schulalter ist die Einnahme von Jod in der Schweiz ausreichend“, sagt Andersson. „Defizite bestehen hingegen bei Frauen im gebährfähigen Alter, bei Schwangeren und bei Frauen, die ihre Babys stillen. Teilweise ungenügend ist die Versorgung auch bei Kleinkindern.“

Lebensmittelindustrie ist am Zug

Die Schweizer Ernährung hat von Natur aus einen niedrigen Jodgehalt, daher ist die Zugabe von Jod via jodiertem Salz erforderlich. Die Schweiz hat seit 1922 ein traditionsreiches und bewährtes Programm zur Jodierung von Salz. In den Haushalten wird heute überwiegend jodiertes Salz verwendet. Allerdings hat der Anteil des Salzes, das wir über ausserhalb des Haushalts hergestellte Lebensmittel zu uns nehmen, in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Laut Dr. Andersson hat daher die Lebensmittelindustrie eine Schlüsselrolle, um die Jodversorgung in der Schweiz und darüber hinaus weiter zu verbessern: „Die Verwendung von jodiertem Salz anstelle von nicht-jodiertem Salz in der Lebensmittelindustrie sollte gefördert werden. Hierfür wären europaweit gültige Regelungen wünschbar, damit die Vorgaben zur Jodversorgung auch bei grenzüberschreitend gehandelten Produkten zum Tragen kommen.“

 

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Schilddrüsenhormone spielen eine wichtige Rolle unter anderem für das Wachstum des Gehirns. Zur Bildung dieser Hormone braucht es Jod (violett)
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