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3. Mai 2018

Es liegt am Tabak, nicht am Cannabis

Cannabis-Konsum wurde wiederholt für Artherosklerose verantwortlich gemacht. Eine Studie unter Leitung der Universität Bern zeigt nun: Hauptursache für Arterienverkalkung ist nicht Cannabis, sondern der begleitende Tabakkonsum.

Gut 3% der Schweizer Bevölkerung über 15 Jahren geben in Befragungen an, in den letzten 30 Tagen mindestens einmal Cannabis genommen zu haben. Bei Männern ist der psychoaktive Stoff beliebter als bei Frauen, bei jüngeren Menschen deutlich stärker verbreitet als bei älteren. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis sind immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen. Eine gelegentlich geäusserte Vermutung: Langfristiger Cannabis-Konsum ruft Ablagerungen (Plaques) in den Herzarterien hervor, führt damit zu Artherosklerose und erhöht das Herzinfarkt-Risiko. Eine Untersuchung unter der Leitung von Prof. Dr. Reto Auer, Leiter Forschung des Berner Instituts für Hausarztmedizin, konnte diese These nun widerlegen: Hauptverantwortlich für die Verkalkung der Blutgefässe ist nicht das Cannabis, sondern das begleitende Tabakrauchen.

Langzeitstudie mit 3500 Personen

Um den jeweiligen Einfluss von Cannabis und Rauchen auf die Entstehung von Artherosklerose zu bestimmen, stützten sich die Wissenschaftler auf Daten aus den USA. Denn während in Europa Cannabis in der Regel zusammen mit Tabak geraucht wird, rauchen Amerikaner Cannabis teilweise auch 'pur'. Bei der Untersuchung von 3500 Personen, deren Cannabis- bzw. Tabakkonsum über 25 Jahre hinweg erhoben worden war, konnten die Forscher nun den Tabak als die eigentliche Ursache der Arterienverkalkung bei Cannabis-Konsumenten dingfest machen.

Da in Europa Cannabis in der Regel mit Tabak konsumiert wird, ist hier das erhöhte Risiko für Artherosklerose also durchaus gegeben. Reto Auer beschreibt anschaulich, was der Tabak im menschlichen Körper auslösen kann: „Wir haben Plaques in den Arterien vom Herzen und in den Baucharterien (Abdominalaorta) gemessen. Wenn eine Plaque in den Herzarterien wächst, kann sie sich plötzlich lösen, was zu einem Akuten Herzinfarkt führt. Bei anderen Menschen wachsen Plaques, bis sie die Arterie völlig verstopfen. Das führt auch zu Herzschaden. Grundsächlich signalisieren Plaques in den Herzarterien ein erhöhtes Risiko für einen zukünftigen Herzinfarkt.“

Beeinträchtigung des Gedächtnisses

Bei Personen, die Cannabis in reiner Form konsumieren, konnten die Wissenschaftler nur eine schwache Wirkung auf die Verkalkung der Baucharterien nachweisen. Wie aber steht es mit anderen Auswirkungen von Canabis auf die Gesundheit? Dazu die Einschätzung von Prof. Auer: „Wir haben andere Studien mit derselben Kohorte publiziert. Eine dieser Untersuchungen hat keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Herzinfarkten gefunden. In einer weiteren Studie konnten wir hingegen einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und einem schlechteren Gedächtnis nachweisen. Die Arbeiten anderer Wissenschaftler haben untersucht, ob Cannabis mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion einhergeht oder die allgemeine Sterblichkeit erhöht – beide Effekte waren nicht nachweisbar.“ Trotz solcher Resultate sei der Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Cannabis noch unbefriedigend, sagt Reto Auer: „Wir brauchen mehr Forschung, um die Bevölkerung besser über die Risiken von Cannabiskonsum informieren zu können.“

http://bit.ly/2sBtNnU #iph
Arterie mit Verkalkung
Querschnitt einer Arterie mit Verkalkungen (gelb).
 

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