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4. Mai 2018

Krebswarnung per Leberfleck

Ein Forscherteam der ETH Zürich am Standort Basel hat im Tierversuch ein Frühwarnsystem für vier häufige Krebsarten entwickelt: Wenn eine Tumorerkrankung im Anzug ist, bildet sich auf der Haut ein künstlich erzeugter Leberfleck.

Die Früherkennung einer aufziehenden Krebserkrankung ist von grosser Bedeutung. Denn je früher ein Tumor erkannt wird, desto grösser sind in der Regel die Heilungschancen. Ein Forscherteam um Martin Fussenegger, Professor am Departement für Biosysteme der ETH Zürich in Basel, hat nun ein Frühwarnsystem für Tumorerkrankungen entwickelt. Das im Tierversuch erfolgreich getestete Konzept könnte künftig die sehr frühe Erkennung von Prostata-, Dickdarm-, Lungen- und Brustkrebs ermöglichen, sofern die Übertragung auf den Menschen gelingt. Über ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift 'Science Translational Medicine' berichtet.

Kalziumwert als Tumorindikator

Das Frühwarnsystem besteht aus einem Zellimplantat, das unter der Haut eingepflanzt wird und dort kontinuierlich den Kalzium-Gehalt im Blut misst. Steigen die Kalziumwerte aufgrund eines sich anbahnenden Tumors, schlägt des Implantat Alarm – indem es die Produktion des körpereigenen Bräunungsstoffs Melanin anregt, was auf der Haut zur Bildung eines Leberflecks führt. Der Leberfleck ist ein erster Hinweis auf eine mögliche Krebserkrankung, aber noch keine zuverlässige Krebsdiagnose, wie Martin Fussenegger betont: „Der erhöhte Kalziumwert kann z.B. auch durch eine Schilddrüsenerkrankung (Hyperthyroidismus) ausgelöst werden, es wird somit wie bei jeder Einzeldiagnose auch falsch Positive geben. Die Chance aber, mit dem Verfahren 40% der häufigsten Krebsarten in einem Stadium zu entdecken, in dem noch über 90% der Betroffenen geheilt werden können, bleibt eine gute Motivation.“

Erfolgreich im Mausmodell

Noch ist das „biomedizinische Tattoo“, wie Martin Fussenegger das Verfahren nennt, noch nicht reif für die Anwendung beim Menschen. Die Wissenschaftler haben bisher erfolgreich die technische Machbarkeit im Mausmodell und an Schweineschwarten dargelegt. Eher ungünstig für eine künftige Anwendung beim Menschen ist, dass das Implantat nach bisherigen Erkenntnissen jährlich ausgewechselt werden müsste. Weitere Forschung ist also nötig. Nach Auskunft von Fussenegger wird die Entwicklung eines entsprechenden Testverfahrens noch gut und gern zehn Jahre in Anspruch nehmen. Im nächsten Schritt planen die Basler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Versuche in Minischweinen. Sie suchen zudem Partner für die translationale Umsetzung, die später in klinische Versuche münden soll. Wenn die Entwicklung von Erfolg gekrönt wird, könnten sich vielfältige Anwendungsfelder eröffnen, ist Prof. Fussenegger überzeugt: „Wir haben das 'Tattoo' bisher zur Entdeckung von Krebs getestet. Im Prinzip kann es auch mit anderen Biomarkern vernetzt werden, um die Entstehung von anderen Krankheiten zu detektieren, so z.B. die Entwicklung von neurodegenerativen Krankheiten wir Parkinson und Alzheimer.“

http://bit.ly/2kRejI1 #iph
Leberfleck_Früherkennung Krebs
So könnte in Zukunft der Leberfleck aussehen, der auf die mögliche Entstehung einer Krebserkrankung hinweist. Bild nachgestellt
 

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