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22. Mai 2018

Bessere Forschung mit weniger Tierversuchen

Bei der 11. Tierversuchstagung des Schweizerischen Tierschutzes (STS) ging es um das neue 3RCC Kompetenzzentrum und die Suche nach Ersatzmethoden zu Tierversuchen.

Am vergangenen Freitag fand die 11. Tierversuchstagung des Schweizerischen Tierschutzes (STS) mit rund 100 Teilnehmenden statt. Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung stand das neue nationale Kompetenzzentrum 3RCC und die Frage, ob dieses Zentrum die Erwartungen der verschiedenen Stakeholder erfüllen kann. Gemäss STS werden mit dem neuen Zentrum die 3R-Prinzipien nun so durchgesetzt, wie es der Gesetzgeber 1993 im Tierschutzgesetz festgeschrieben hat.

Förderung der 3R in der Schweiz

Die 3R-Prinzpien (Reduce, Replace, Refine) müssen bei jedem Tierversuch umgesetzt werden. In der Schweiz sind Forschende verpflichtet, die Anzahl der Tiere für Tierversuche auf ein Minimum zu reduzieren. Anstelle von Tierversuchen müssen falls möglich Alternativmethoden eingesetzt werden und die unbedingt nötigen Tierversuche sind so schonend wie möglich durchzuführen. Zur Stärkung der Umsetzung des 3R-Prinzipies wurde im März 2018 zusätzlich das nationale Kompetenzzentrum 3RCC geschaffen, an welchem Behörden, Akademie, Tierschutz und Industrie beteiligt sind.

Chantra Eskes, Direktorin 3RCC, erläuterte an der Tierversuchstagung die Aufgaben des neuen Zentrums und wies darauf hin, dass die Bildung eines internationalen Netzwerkes im Zentrum stehe, um die 3R-Mentalität bei Forschenden zu stärken. Dr. med. vet. Kaspar Jörger, Leiter Tierschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), betonte in seinem Referat, dass die Erwartung von Seiten des BLV an das Kompetenzzentrum hoch seien, insbesondere bei den Schlüsselelementen der Ausbildung, der Kommunikation und der 3R-Forschung.

Eine ähnliche Entwicklung wie in der Schweiz findet gemäss Prof. Dr. med. Stefan Hippenstiel, Medizinische Klinik Charité-Universitätsmedizin Berlin, auch in Deutschland statt. 2014 wurde an der freien Universität Berlin die Forschungsplattform BB3R gegründet, welche die 3R-bezogenen Kompetenzen der Region bündeln und fördern soll. Zudem wurde im vergangenen Jahr das Charité 3R-Zentrum eröffnet. Dadurch soll das Engagement im Tierschutz in Forschung und Lehre noch sichtbarer gemacht werden.

Aktive Forschungsgemeinde im Bereich der 3R

Der Prozess, der dazu führt, dass Tierversuche in der biomedizinischen Forschung ersetzt werden können, ist lange und komplex. Dennoch konnten die Forschenden im Bereich der 3R in den letzten Jahren Erfolge feiern. So kann heute beispielsweise das fetale Kälberserum mit einem chemischen Serum ersetzt werden und auch Antikörper können heutzutage ohne Zuhilfenahme von Tieren produziert werden. Prof. Dr. Michael Raghunath, Leitung Fachstelle Zellbiologie und Tissue Engineering, ZHAW, wies zudem darauf hin, dass Tiermodelle nicht für alle Untersuchungen geeignet sind und in vitro-Modelle bessere Resultate für spezifische Fragestellung liefern.

In der anschliessenden Paneldiskussion waren sich die Referenten einig, dass trotz der zahlreichen Alternativmethoden und des grossen Engagements zurzeit nicht auf Tierversuche verzichtet werden kann. Die 3R-Prinzipien finden jedoch immer mehr Beachtung und dadurch konnte in der Schweiz die Gesamtzahl der eingesetzten Tiere von nahezu zwei Millionen im Jahr 1983 auf aktuell rund 630 000 Tiere verringert werden.

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Rund 100 Teilnehmende waren an der 11. Tierversuchstagung des STS.
Rund 100 Teilnehmende waren an der 11. Tierversuchstagung des STS.
 

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