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24. Mai 2018

Heilpflanze unter Verdacht

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Arzneipflanze 'Evodia rutaecarpa' gegen verschiedene Beschwerden eingesetzt. Ein Forscherteam hat nun Hinweise gefunden, dass die pflanzlichen Wirkstoffe zu Herzrhythmusstörungen führen können.

Seien es Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magen-Darm-Probleme, seien es menstruelle Beschwerden oder Geschwüre im Mundbereich – die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) setzt dagegen gern die Heilpflanze 'Evodia rutaecarpa' ein. Die Evodia-Früchte werden von den Patientinnen und Patienten gewöhnlich in Form eines Tees eingenommen, wobei die traditionelle Teezubereitung ein längeres Aufkochen der Kräutermischung beinhaltet. Neben der klassischen Zubereitung sind auch "Fertigpräparate" im Handel. Ein Forscherteam mit Beteiligung der Universitäten Wien, Utrecht und Basel hat nun nachgewiesen, dass die Pflanze zwei Substanzen enthält, die Herzrhythmusstörungen auslösen können. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Pharmacological Research'.

Zwei Substanzen extrahiert

Bei den Stoffen, die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten der Universität Basel in der Pflanze fanden, handelt es sich um Dehydroevodiamin und Hortiamin. Beide Substanzen haben die Fähigkeit, die sogenannten HERG-Kanäle im Herzmuskel zu blockieren. Auf diesem Weg können sie die Erregungsabläufe im Muskel verändern und dabei schwere Arrhythmien und Kammerflimmern auslösen, was zum plötzlichen Herztod führen kann. Ob die Personen, die einen Evodia-Tee trinken, mit solch gravierenden Folgen rechnen müssen, ist Gegenstand der aktuellen Forschung, wie Matthias Hamburger, Professor für Pharmazeutische Biologie am Department für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Basel sagt: „Wir wissen, dass die zwei Verbindungen in den Tee extrahiert werden, aber noch nicht genau, in welchem Umfang. Dazu laufen derzeit in meinem Labor genauere Analysen.“

Sicherheit abklären

Die jüngsten Untersuchungen sind Teil eines schon länger verfolgten Forschungsansatzes, wie Hamburger betont: „Arzneipflanzen aus aussereuropäischen Kulturkreisen (z.B. Ayurveda, TCM) werden in Europa in zunehmendem Masse verwendet. Sie enthalten teilweise pharmakologisch hoch aktive Substanzen, sind aber oft wenig untersucht bezüglich möglicher Nebenwirkungen und Risiken. Daher sollten genauere Sicherheitsabklärungen durchgeführt werden.“ Bereits vor vier Jahren hatte Hamburgers Team Fertigpräparate untersucht, die z.B. Granulate mit Evodia-Extrakt enthalten. Darin konnten die Wissenschaftler Dehydroevodiamin nachweisen. In einem anderen Projekt haben die Basler Pharmazeuten einige wichtige europäische Arzneipflanzen analysiert. Dort fanden sie keine Hinweise auf eine mögliche Blockade am HERG-Kanal, somit auch nicht die oben ausgeführte Gefährdung des Herzens.

http://bit.ly/2kRCLsP #iph
Heilpflanze_Molekül
Je nachdem, wie das Molekül ergänzt wird, handelt es sich um Dehydroevodiamin (1) oder um Hortiamin (2).
 

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