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1. Juni 2018

Brutstätte des Malaria-Parasiten

Eine halbe Million Menschen sterben jährlich an Malaria. Ein Forscherteam der Universitäten Bern und Glasgow hat in einer neuen Studie nun detailliert nachgezeichnet, wie der Auslöser der Krankheit im Menschen heranreift.

Wer an Malaria erkrankt, wurde zuvor von einem Moskito (weibliche Anopheles-Mücke) gestochen und von ihr mit dem Krankheitserreger (einzelliger Parasit der Gattung Plasmodium) infiziert. Der Mensch ist dabei nicht nur das Opfer der Infektion, er dient dem Plasmodium-Parasiten auch als Zwischenwirt. Das bedeutet: Der Parasit reift im Menschen heran und wird dann beim Stich eines 'gesunden' Moskitos von diesen aufgenommen. Nach etwa zehn bis 14 Tagen ist das Moskito in der Lage, weitere Menschen anzustecken. „Der Lebenszyklus des Parasiten kann nur geschlossen werden, wenn der Parasit vom Menschen auf den Moskito übertragen wird“, sagt Prof. Dr. Volker Heussler vom Institut für Zellbiologie der Universität Bern. „Wenn man davon ausgeht, dass es etwa 200 Millionen Neuinfektionen pro Jahr gibt und dazu eine Vielzahl infizierter Moskitos notwendig sind, kann man sich grob ausrechnen, wie viele Moskitos sich am Menschen infizieren müssen, um diese riesige Infektionsrate zu erreichen.“

Vom Blut ins Knochenmark

Ein Forscherteam um Volker Heussler und den in Glasgow tätigen Schweizer Forscher Matthias Marti hat nun im Detail beschrieben, wie der Malaria-Parasit im Zwischenwirt Mensch heranreift. Der Parasit nimmt in diesem mehrere Tage dauernden Prozess eine geschlechtliche (also männliche und weibliche) Form an und reift zu einem Gametozyten heran. Die Wissenschaftler konnten in ihrer Arbeit zeigen, dass die jungen Parasiten dabei ins Knochenmark einwandern, wo sie ein gutes Nährstoffangebot vorfinden. Die Berner Forscher nutzten dafür die sogenannte Intravitalmikroskopie. Mit dieser Methode zeigten sie an lebenden Mäusen, wie die Parasiten durch die Blutgefässwände ins Knochenmark gelangen.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher nun die molekularen Grundlagen dieses Vorgangs identifizieren, wie Zellbiologe Heussler sagt: „Unsere Erkenntnisse dienen dazu, einen neuen Weg zu finden, die Übertragung des Parasiten zu blockieren. Das kann entweder durch bestimmte Medikamente erfolgen, die das Einwandern des Parasiten ins Knochenmark verhindern, oder etwa durch Impfung gegen bestimmte Oberflächenmarker der infizierten Blutzellen, so dass sie ihren Bestimmungsort nicht mehr finden und schliesslich von Phagozyten des Wirtes eliminiert werden.“

Bedeutsam für den Menschen

Damit die neuen Erkenntnisse tatsächlich medizinisch genutzt werden können, müssen die Ergebnisse aus den Tierversuchen auf den Menschen übertragbar sein. Prof. Heussler ist optimistisch, dass dies der Fall ist: „Da die Beobachtung, dass die geschlechtlichen Formen des Parasiten ins Knochenmark des Patienten einwandern, ursprünglich auf Beobachtungen am Menschen (Biopsien) beruht, kann man in der Tat die Erkenntnisse, die wir jetzt an den Mäusen gemacht haben, übertragen. Der grosse Vorteil des Maus-Malaria-Modells ist aber, dass wir nun gezielt Versuche machen können, was beim Menschen aus ethischen Gründen nicht möglich ist.“

http://bit.ly/2JnU7bt #iph
Volker Heussler, Professor am Institut für Zellbiologie der Universität Bern.
Volker Heussler, Professor am Institut für Zellbiologie der Universität Bern.
 

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