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6. Juni 2018

Ein Hebel gegen Prostatakrebs

Sexualhormone aus der Familie der Androgene spielen eine zentrale Rolle bei Krankheiten wie Prostatakrebs und dem Eierstocksyndrom. Ein schweizerisch-spanisches Forscherteam ist nun einem neuen Behandlungsansatz für die Krankheiten auf der Spur.

Wenn bei jungen Männern der Bartwuschs einsetzt und die Stimme tiefer wird, stecken Androgene dahinter. Diese Sexualhormone sind bei Männern besonders ausgeprägt, sie werden aber auch von Frauen in den Eierstöcken produziert. Im gesunden Körper spielen die Androgene eine zentrale Rolle bei der Geschlechtsentwicklung. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite: Die Ausbildung eines Prostatakrebses geht mit einer Überproduktion von Androgenen einher, und dasselbe gilt bei Frauen bei der Entstehung eines polyzystischen Eierstocksyndroms. Ein Team aus Forscherinnen und Forschern der Universitäten Bern und Barcelona hat nun einen neuen Ansatzpunkt zur Bekämpfung dieser Krankheiten gefunden. Dabei soll die Überproduktion des Hormons unterbunden werden. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Pharmaceuticals'.

Ein Enzym namens CYP17A1

Im Zentrum des jüngsten Forschungsprojekts steht das Enzym CYP17A1. Dieses steuert über Zwischenschritte die Androgen-Produktion. Eine Forschergruppe um PD Dr. Amit Pandey (Inselspital Bern, Universität Bern) hat nun eine Gen-Mutation entdeckt, die zu einer Schädigung von CYP17A1 führt – und damit die Androgen-Produktion unterbindet. Pandey und seine Forscherkollegen glauben damit einen Ansatzpunkt für eine neue Therapie von Prostatakrebs gefunden zu haben. Die nächten Schritte der Forschung beschreibt der Berner Stoffwechselexperte mit folgenden Worten: „Wir wollen weitere Informationen rund um die Genmutation beschaffen, die dann zur Entwicklung eines Wirkstoffmoleküls benutzt werden können, welches das CYP17A1-Enzym blockiert.“ Panday betont, die jüngsten Erkenntnisse könnten ferner helfen, die Nebenwirkungen bestehender Therapien von Prostatakrebs zu vermindern.

Vom Labor ans Krankenbett

Nach Auskunft der Berner Wissenschaftler sind die jüngsten Ergebnisse auch ein gelungenes Beispiel für translationale Medizin, der es gelingt, Forschungsergebnisse aus dem Labor mit Daten aus dem klinischen Alltag in innovative medizinische Lösungen umzusetzen. Bei den Arbeiten haben sich die schweizerische und die spanische Universität auf die folgende Arbeitsteilung verständigt, wie Pandey berichtet: „Die Universität Bern hat sich auf die Molekularbiologie konzentriert, nahm Urinsteroid-Messungen vor, erstellte Computermodelle von Mutationen und führte biochemische Experimente mit rekombinanten Proteinen durch. Genetik und Patientenuntersuchungen hingegen wurden in Spanien durchgeführt.“

Berner Wissenschaftler endecken mit spanischen Kollegen einen möglichen Hebel gegen #Prostatakrebs. http://bit.ly/2kPyDtk #iph
Zellen_Nebennieren
Menschliche Zellen der Nebennieren, die mittelbar für die Produktion von Androgenen verantwortlich sind.
 

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