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8. Juni 2018

Schnell und wirksam gegen Sepsis

Um eine Blutvergiftung (Sepsis) wirksam zu bekämpfen, braucht es das richtige Antibiotikum. Forscher haben eine neue Untersuchungsmethode entwickelt, mit der sich der Erreger der Infektion schneller als bisher identifizieren lässt.

Eine Blutvergiftung mit einem antibiotischen Wirkstoff einzudämmen, ist nicht immer ganz einfach. Denn ein Teil der Erreger hat gegen eines oder sogar gegen mehrere der verfügbaren Antibiotika Resistenzen entwickelt. Selbst mit den Breitbandantibiotika, die heute bei einer Sepsis üblicherweise verabreicht werden, kann nicht allen Patientinnen und Patienten geholfen werden. Damit Ärztinnen und Ärzte die Infektion wirksam bekämpfen können, müssen sie möglichst schnell über die Art des Erregers Bescheid wissen. Zu diesem Zweck hat ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin bei Bonn nun gemeinsam mit Partnern ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Erreger relativ schnell bestimmen lassen.

Antibiotika in unterschiedlicher Konzentration

„Das von uns entwickelte PathoSept-System liefert Informationen über den Erregertyp und sein Resistenzprofil. Die Ärzte können dann das wirkende Antibiotikum einsetzen“, sagt Fouad Bitti, Wissenschaftler am Fraunhofer FIT. Im Zentrum der neuen Methode steht ein Chip, auf dem sich das Wachstumsverhalten von Bakterien unter dem Einfluss von Antibiotika analysieren lässt. Um das Resistenzprofil eines Krankheitserregers zu bestimmen, wird dieser in einem ersten Schritt vermehrt. Anschliessend wird jeweils eine Probe des Erregers in 96 Töpfchen (Arrays) gegeben, welche unterschiedliche Antibiotika in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Mit einem sogenannten Wachstumsmonitor wird dann festgestellt, wie sich die Erreger in den unterschiedlichen Töpfchen entwickeln. Aus dem Ergebnis lässt sich ableiten, welches Antibiotikum den jeweiligen Erreger am wirksamsten bekämpft.

In Echtzeit ausgewertet

Nimmt die Identifizierung von multiresistenten Erregern bislang mehrere Tage in Anspruch, gelingt die Bestimmung mit dem neuen Verfahren bereits innerhalb von neun Stunden. Diese für die wirksame medizinische Behandlung wichtige Verkürzung gelingt unter anderem dadurch, dass der Wachstumsprozess der Erreger in der antibiotischen Lösung in Echtzeit beobachtet und mit speziell entwickelten Algorithmen ausgewertet wird. Das neue Analyseverfahren wird gegenwärtig klinisch getestet und steht anschliessend, wenn die Tests erfolgreich verlaufen, zum Einsatz bei Sepsis-Patientinnen und -Patienten bereit.

Deutsche Fraunhofer-Forscher entwickeln Analyseplattform für #Sepsis-Erreger. http://bit.ly/2kUHMRp #iph
Wachstumschip
Miniaturisierter Wachstumschip zum schnellen Erkennen bakterieller Resistenzen.
 

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