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13. Juni 2018

Was den Darm arbeitsfähig hält

Um seinen Teil zur Verdauung beizutragen, erneuert sich der menschliche Dickdarm unentwegt durch die Herstellung neuer Zellen. Ein Forscherteam der Universität Zürich hat nun neue Erkenntnisse gewonnen, wie diese Erneuerung genau vor sich geht.

Der Dickdarm ist ein 1,5 Meter langer Schlauch, der auf der Innenseite mit einer Schleimhaut ausgekleidet ist. Dieses sogenannte Epithelgewebe ist massgeblich für die Aufnahme von Wasser, Salz und Vitaminen zuständig. Um diese wichtige Aufgabe zu meistern, erneuert sich das Epithelgewebe ständig. Zehn Milliarden neue Zellen entstehen pro Tag. Dass dies möglich ist, dafür sorgen Stammzellen, die in kleinen Einstülpungen des Epithels lokalisiert sind. Die Aktivität der Stammzellen wiederum wird durch einen Signalstoff mit den Namen „Wnt“ gesteuert; je mehr Wnt vorhanden ist, desto 'fleissiger' sind die Stammzellen bei der Produktion von Epithelzellen.

GLI1-positive Zellen

Woher aber stammt der Signalstoff Wnt? Diese Frage konnte nun ein Forscherteam um Prof. Dr. Konrad Basler vom Institut für Molekulare Biologie der Universität Zürich klären. Bei Versuchen mit Mäusen entdeckten die Wissenschaftler eine spezielle Zellart – die sogenannten GLI1-positiven Zellen –, welche für die Produktion von Wnt verantwortlich ist und die somit die Aktivität der Stammzellen reguliert. Das bedeutet beispielsweise: Ist das Epithelgewebe entzündet und bedarf deshalb einer Erneuerung, werden durch den Signalstoff Wnt zusätzliche Epithelzellen gebildet und so die Entzündung geheilt. Gleichzeitig kann eine Überproduktion von Wnt fatale Folgen haben: Der Prozess der Zellbildung läuft dann aus dem Ruder, was mitunter zur Entstehung von Dickdarmkrebs führt.

Wnt-Signal pharmakologisch steuern

Die in der Fachzeitschrift 'Nature' publizierten Resultate bzw. der Einblick in die Funktionsweise des Darmgewebes bilden die Grundlage für die Entwicklung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe, wie Prof. Basler sagt: „Die Aussendung des Wnt-Signals kann heute schon pharmakologisch gestoppt werden. Zudem werden in Labors unter anderem von Biotech-Firmen Anstrengungen unternommen, Substanzen zu entwickeln, welche den Wnt-Signalweg in den Signal-empfangenden Zellen blockieren. Ein gegenteiliger Ansatz besteht darin, alternative Wnt-Liganden zu entwickeln, welche stabiler und besser applizierbar sind.“ Neue Medikamente, die sich aus dieser Forschung ergeben, könnten nach Auskunft von Konrad Basler bei entzündlichen Darmerkrankungen wie z.B. Morbus Crohn, aber eventuell auch bei Dickdarmkrebs helfen.

Ein Forscherteam der Universität Zürich liefert Grundlagen für ein besseres Verständnis entzündlicher #Darmerkrankungen und von #Dickdarmkrebs. @UZH_Science http://bit.ly/2l4h34V #iph
Dickdarm
Dickdarm einer Maus mit normaler Stammzellnische.
 

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