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19. Juni 2018

Experimente unerwünscht

Die Stimmberechtigten befürchten bei der Einführung eines Globalbudgets Abstriche bei der Versorgung. Dies geht aus dem neusten gfs-Gesundheitsmonitor hervor.

Die Bilanz zum Schweizer Gesundheitswesen fällt 22 Jahre nach Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) eindeutig aus: 87% der Befragten (+9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr) haben einen sehr oder eher positiven Gesamteindruck. Einer der Gründe für die gute Gesamtbilanz liegt in der Beurteilung der Qualität des Gesundheitswesens: Alle Befragten (100%) stufen diese als mindestens eher gut ein.

Globalbudgets werden kritisch beurteilt

Aktuell wird in der gesundheitspolitischen Diskussion über Ansätze eines Globalbudgets diskutiert. 54% der Stimmbürger glauben nicht, dass die Einführung von Globalbudgets zu tieferen Prämien führen würde. Hingegen befürchten 91% dadurch längere Wartezeiten sowie eine Einschränkung der freien Arztwahl. 74% gehen davon aus, dass Patientinnen und Patienten mit einem Globalbudget nicht alle notwendigen Medikamente erhalten würde und mehr als drei Viertel der Befragten rechnen generell mit einer schlechteren Qualität im Gesundheitswesen.

Dank Einheitsfinanzierung mehr ambulante Behandlungen

Bei der einheitlichen Finanzierung von stationären und ambulanten Behandlungen ergibt sich kein klares Bild: Einerseits gehen 76% der Befragten davon aus, dass die Spitäler mit der geltenden Finanzierung zu viele Anreize haben, Behandlungen stationär durchzuführen, und dass mit einer Einheitsfinanzierung mehr Behandlungen ambulant durchgeführt werden würden. Andererseits teilen zurzeit nur 40% der Befragten die Ansicht, dass eine einheitliche Finanzierung niedrigere Prämien zur Folge hätte.

Qualität und Quantität vor Kosten

Wahlfreiheit, Leistungs- und Qualitätsorientierung haben für die Stimmberechtigten weiterhin oberste Priorität im Schweizer Gesundheitswesen. 95% (+14) schätzen die Qualität und 87% (+11) die Quantität der Leistungen wichtiger ein als den Preis. Ein neuer Spitzenwert ergibt sich bei den Präferenzen zur Risikoabdeckung: Mit 76% (+22) möchte eine klare Mehrheit, dass die Krankenkassen wieder mehr Leistungen vergüten und eine möglichst umfassende Deckung anbieten.

Parallel zur verstärkten Qualitätsorientierung hat auch die Bereitschaft abgenommen, individuell auf Leistungen zu verzichten. Dies auch dann, wenn damit Kosten gespart werden könnten. Insbesondere der eingeschränkte Zugang zu neuen Medikamenten würden zurzeit nur noch 19% (–24) hinnehmen. Auch die Kürzung des Leistungskatalogs (31%, –23) und die Einschränkung der freien Arztwahl (38%, –14) würden von den Stimmberechtigten nicht akzeptiert.

Keine Experimente bei Prämien und Franchisen

Was die Prämien und Franchisen betrifft, so sinkt die Bereitschaft für neue Modelle markant. Nur noch 34% (–33) wären damit einverstanden, dass die Prämiengestaltung vom Einkommen abhängen soll. Eine Anpassung der Franchisen an die Kostenentwicklung möchten nur noch 24% (–32) und eine Erhöhung der minimalen Franchise findet nur noch bei 30% Zustimmung (–23). Demgegenüber sprechen sich 85% der Stimmberechtigten für eine Beibehaltung des Kopfprämiensystems aus. Abgenommen gegenüber dem Vorjahr hat der Problemdruck im Haushaltsbudget: So empfinden nur noch 16% (–18) die Krankenkassenprämien als Problem für den Haushalt.

«gfs-Gesundheitsmonitor 2018» im Web

Das Wichtigste in Kürze zum «gfs-Gesundheitsmonitor 2018» finden Sie auf der Website www.interpharma.ch in der Rubrik «Fakten und Statistiken / gfs-Gesundheitsmonitor». Der Kurzbericht zur Studie kann auch als Datei im PDF-Format heruntergeladen werden. Ebenso stehen die darin verwendeten Grafiken in einem gängigen Format für eigene Verwendungen zur freien Verfügung.

Neuer #Gesundheitsmonitor von @gfsbern: Experimente unerwünscht, aber wachsende Ansprüche an die Versorgung. http://bit.ly/2lkseqp #iph
Aussagen zu Globalbudgets, Gesundheitsmonitor 2018 von gfs.bern
Aussagen zu Globalbudgets, Gesundheitsmonitor 2018 von gfs.bern
 

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