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21. Juni 2018

Schlaflos im Traum

Wenn Menschen keinen Schlaf finden, kann sie das sehr belasten. Das gilt auch dann, wenn Schlaflosigkeit mitunter nur geträumt wird. Der Grund für Schlaflosigkeit und mangelnde Erholsamkeit liegt offenbar im REM-Schlaf.

Ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Freiburg hat sich in einem aktuellen Forschungsprojekt dem Thema Schlaflosigkeit (Insomnie) gewidmet. Dabei gelangten die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Riemann zu einem verblüffenden Ergebnis: Nicht in allen Fällen, wo Menschen glauben, stundenlang im Bett wach gelegen zu haben, waren sie auch tatsächlich wach. Vielmehr legen die jüngsten Ergebnissse nahe, dass viele Menschen zumindest einen Teil ihrer Schlaflosigkeit träumen: Üblicherweise sagen Patienten mit Insomnie, dass sie etwa 60% der Nacht schlafen. Die Untersuchung von Dr. Bernd Feige (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg) im Schlaflabor hat nun gezeigt: Sie schlafen tatsächlich 80%.

Gestörter REM-Schlaf

Zu diesem Befund gelangten Dr. Feige und die beteiligten Wissenschaftler, indem sie 27 Probanden mit schweren Schlafstörungen und 27 gesunde Personen ins Schlaflabor einluden, wie sie im Fachmagazin 'Sleep' berichten. All diese Personen weckten sie in einer Nacht dreimal aus dem REM-Schlaf (Traumschlaf), in einer anderen Nacht aus dem Non-REM-Schlaf. Jedesmal wurden die Probanden gefragt, ob sie glauben, zuvor geschlafen zu haben. Hier zeigte sich: Ein Teil der Menschen hat den Zustand der Schlaflosigkeit nur geträumt. Bemerkenswert dabei: Wenn Menschen mit Insomnie 80% der Nacht schlafen, ist das nur geringfügig weniger als bei guten Schläfern, wie die Untersuchung bei Personen mittleren Alters (45 Jahre) zeigen konne. Doch selbst wenn die Menschen mit Insomnie praktisch gleich lange schlafen: die REM-Phase des Schlafs ist bei ihnen gestört und von einer geringeren Qualität.

Trotzdem erschöpft

Auch wenn ein Teil der Schlaflosigkeit nur geträumt ist, ist das für die Betroffenen kein Trost, denn auch so fühlen sie sich am anderen Morgen unausgeschlafen und sind weniger konzentriert. Die Erschöpfung sei auf eine mangelnde Erholungsfunktion durch die veränderte Qualität des REM-Schlafes zurückzuführen, vermuten die Forscher auf der Grundlage ihrer Studie. Die Veränderung des REM-Schlafes bestehe in einer grösseren Nähe zum Wachzustand und einer ausgeprägteren Erinnerungsfunktion, während gesunde Schläfer Trauminhalte und auch echte Wachphasen oft wieder vergessen. Zudem scheinen die schlaflosen Menschen mehr Sorgen aus dem wachen Zustand in den Schlaf mitzunehmen.

Die jüngsten Erkenntnisse bieten neue Anknüpfungspunkte, um Menschen mit Schlaflosigkeit zu helfen. Eine Möglichkeit sind Traumtherapien, eine andere Medikamente, die auf eine Stärkung der Traumphase abzielen und so der Schlaflosigkeit entgegenwirken. Diese Interventionen sind nicht nur wichtig für das Wohlbefinden der betroffenen Personen, sie können auch Folgeerkrankungen wie Depression oder Schlaganfall entgegenwirken.

#Schlaflosigkeit ist bisweilen nur geträumt, hat ein Forscherteam aus dem deutschen Freiburg gezeigt. http://bit.ly/2lnr7Gk #iph
Schlaf_Gute Nacht
 

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