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26. Juni 2018

Ein Tandem aus Impfstoff und Spinnenseide

Auf Immuntherapien ruhen grosse Hoffnungen, Krebserkrankungen in Zukunft noch wirksamer bekämpfen zu können. Ein Wissenschaftlerteam mit Beteiligung der Universität Genf arbeitet an einer Methode, die Immuntherapien noch wirksamer machen soll.

Immuntherapien gegen Krebs nutzen einen Impfstoff, welcher das Immunsystem der Patientin bzw. des Patienten anregt, den Tumor zu bekämpfen und wenn möglich zu zerstören. Immuntherapien werden heute schon zur Krebsbehandlung eingesetzt. Allerdings ist noch nicht immer gewährleistet, dass die Immunzellen (insbesondere die sogenannten T-Lymphozyten) wirksam zum Kampf gegen den Tumor angeregt werden. Um hier eine Verbesserung zu erzielen, hat ein Forscherteam eine neuartige Mikrokapsel entwickelt, welche den Impfstoff zu den Immunzellen transportiert und damit deren Anti-Krebs-Reaktion auslöst. Über ihr Projekt berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Genf, Fribourg, München und Bayreuth in der Fachzeitschrift 'Biomaterials'. Am Projekt war auch die deutsche Firma AMSilk beteiligt.

Eine Kapsel schützt den Impfstoff

Projektleiterin Prof. Carole Bourquin von der Universität Genf erklärt, wie die Mikrokapsel funktioniert: „Unser Konzept besteht darin, das Impfstoffpeptid – bestehend aus einem kurzen Proteinabschnitt – gemeinsam mit einen Seidenspinnen-Protein als eine Proteinkette biotechnologisch herzustellen. Die Mitte der Kette, wo die beiden Teile verbunden sind, dient als Sollbruchstelle: Sobald die Kette am Ziel (Immunzellen in den Lymphknoten) angekommen ist, wird der Impfstoff abgetrennt und gelangt in die Immunzelle.“ Wichtig bei dem Vorgang: Während die Proteinketten im Körper des Patienten zu ihrem Bestimmungsort unterwegs sind, sind sie aufgerollt wie Wollknäuel. Das Seidenspinnen-Protein bildet dabei quasi eine Transportkapsel, die den Impfstoff vor Zersetzung schützt. Das ist sehr wichtig, weil die eingesetzten Impfstoffpeptide instabil sind.

Der Transport funktioniert

Das Projekt wurde in einem grenzüberschreitenden Teamwork umgesetzt: Deutsche Forscher haben die Impfstoff-Seidenspinnen-Molekülketten synthetisiert, während die biologische Testung dann in der Arbeitsgruppe von Carole Bourquin erfolgte, zunächst an der Universität Fribourg und später an der Universität Genf. Die Schweizer Gruppe führte auch die immunologischen und toxikologischen Untersuchungen durch und bearbeitete Fragen der Biodistribution im Körper. „Wir haben mit unserer Arbeit den 'proof of concept' erbracht, dass die erwähnten Kapseln den Impfstoff zu den Immunzellen in den Lymphknoten bringen und dass auf diesem Weg eine wirksame Immunantwort hervorgerufen werden kann“, sagt Prof. Bourquin. „Im nächsten Schritt müssen wir zeigen, dass diese Immunantwort den Tumor wirksam bekämpft. Wir müssen noch zahlreiche Labortests durchführen, bevor wir die Methode dann erstmals an Patienten werden erproben können.“

Ein Forscherteam mit Genfer Beteiligung entwickelt eine Methode, die #Immuntherapien gegen #Krebs noch wirksamer machen soll. http://bit.ly/2tFSCi7 #iph
Prof. Carole Bourquin
Prof. Carole Bourquin, Expertin für Immunpharmakologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf.
 

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