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29. Juni 2018

Wirksam gegen multiresistente Keime

Antibiotika wirken gegen bakterielle Krankheitserreger, solange diese keine Resistenzen entwickeln. Einem Basler Forscherteam ist nun ein wichtiger Schritt im Kampf gegen einen gefürchteten multiresistenten Erreger gelungen.

Das Bakterium mit dem Namen Staphylococcus aureus (kurz: S. aureus) ist ein Krankheitserreger, der zu schweren Blutvergiftungen, Weichteilinfektionen oder Lungenentzündungen führt. Diese Gefahr ist sehr real, denn viele Antibiotika sind gegen den Krankheitskeim unterdessen wirkungslos. Fachleute bezeichnen S. aureus wegen dieser Resistenzbildung auch als Methicillin resistenten Staphylococcus aureus (kurz MRSA). Doch nun besteht Hoffnung, dass MRSA in Zukunft wieder wirksam bekämpft werden können: Das entsprechende Medikament ist nicht ein klassisches Antibiotikum, sondern es besteht aus Designerzellen, die von Forscherinnen und Forschern der ETH Zürich, der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel entwickelt wurden. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin 'Cell'.

Gefährlicher Biofilm

Die Designerzellen wurden von einem Team um Prof. Martin Fussenegger (Departement für Biosysteme der ETH Zürich am Standort Basel) entwickelt und anschliessend von Prof. Nina Khanna, Leitende Ärztin Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf ihre Wirksamkeit gegen MRSA getestet. Prof. Khanna erläutert, wie die neuartigen Designerzellen im Prinzip funktionieren: „Es handelt sich um das bakteriolytische Enzym Lysostaphin. Dieses Enzym kann das Pentaglycin – ein Bestandteil in der Zellwand des S. aureus – schneiden und so das resistente Bakterium zerstören. Im Unterschied zu klassischen Antibiotika zeigt Lysostaphin eine sehr gute Wirkung gegen Bakterien im Biofilm.“ Mit Biofilm sind die grossflächigen Zellverbände gemeint, zu denen sich die resistenten S. aureus-Bakterien zusammenschliessen und die dann zum Beispiel Hüft- und Knieprothesen, Herzschrittmacher sowie künstliche Herzklappen überziehen.

Noch ein langer Weg bis zum Medikament

Die neuen Erkenntnisse der Basler Forscherinnen und Forscher wecken die Hoffnung, dass solche Biofilme aus MRSA in Zukunft wieder erfolgreich behandelt werden können. „Das Haupteinsatzgebiet der neu entwickelten Designerzellen liegt in der Vermeidung, aber auch in der Therapie von Implantat-assoziierten Infektionen“, sagt Nina Khanna, die auch als Forschungsgruppenleiterin am Departement Biomedizin (DBM) von Universität und Universitätsspital Basel aktiv ist. Obwohl die jüngste Untersuchung die Wirksamkeit des neuen Therapieansatzes im Grundsatz bestätigt hat, wird es noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis Patientinnen und Patienten von einer entsprechenden Therapie werden profitieren können.

Basler Forscherinnen und Forscher finden einen Hebel gegen einen multiresistenten bakteriellen Erreger. #MRSA http://bit.ly/2tPAuSS #iph
MRSA
Biofilm aus Bakterien des Typs Methicillin resistenter Staphylococcus aureus (MRSA).
 

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